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Donnerstag, 4. Februar 2016

Krise und Segen

Selbstverschuldete Krise

Lies dazu den NZZ-Bericht "Eine verlorene Dekade - Brasilien im Freien Fall"
Die Zeichen der Krise in Brasilien sind auch für uns überall sichtbar:
  • Mehrere Mitglieder unserer Gemeinde haben fast gleichzeitig ihre Jobs verloren
  • Vor den Strassenampeln gibt es immer mehr Strassenkünstler und vor allem Bettler
  • An tausende Baustellen wird nicht mehr gearbeitet: insbesondere an der Privatwirschtaft, Wohnhäusern für Arme, Brücken und Viadukten der öffentlichen Hand. Von unserem Haus sieht man das erste von drei hintereinander gebauten Hochhäusern (sieh Bild unten). Seit Juni letzten Jahres stehen die Arbeiten still.
  • In den meisten Städten steigt die Kriminalität, in Teresina besonders stark. Im letzten Jahr wurden 3 unserer direkten Nachbarn Opfer von Diebstahl, Einbrüchen oder gar bewaffneten Überfällen.
  • In der Krisen stiegen dazu die Preise: Letzten Monat war eine Zahnarztuntersuchung BRL 130, nun kostet sie BRL 150. Tomaten kosten Anfang dieses Jahr doppelt so viel wie Ende letzten Jahres.
  • Jeden Tag gibt es neue schockierende Nachrichten zum Petrobras-Skandal (genannt "Lava Jato"). Leider hat man sich schon so daran gewöhnt, dass man es bloss apatisch hinnimmt.
  • Die Präsidentin steht in einem Absetzungsprozess wegen Wahlbetrugs, der Präsident des Abgeordnetenhauses hat Millionen auf Schweizer Banken, die von der Petrobras abgezweigt worden waren, der Präsident des Senats wird in einem anderen Korruptionsprozess untersucht, der Ex-Präsident und Kultfigur im Sertão Lula Inácio da Silva wurde in mehrerern Aussagen schwer belastet und auch die Hauptfigur der Opposition und Präsidentschaftskandidat ist in den Petrobras-Skandal verwickelt. Wer soll dieses Land regieren?
  • Das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs bis 2013, der durch staatliche Subventionen für Arme geförderte Konsummarkt ist nun gesättigt. Dieses Instrument funktioniert nicht mehr, um die Wirtschaft an zu kurbeln.
  • Das von jeher schlechte und von der Krise zusätzlich geschwächte Gesundheitssystem bricht mit der Zika-, Chikungunga- und Dengue-Krise fast zusammen.

Unerwarteter Segen

In der wirtschaftlichen, politischen und gesundheitlichen Krise ist zumindest der Regen, ein Geschenk Gottes. Seit zwei Wochen regnet es fast jeden Tag. Eine Seltenheit für Teresina. Eigentlich hatten Meteorologen wegen des El Niños ein schwache Regenzeit für den Sertão vorausgesagt. Seit 2012 sind die Regenzeiten insbesondere im Nordosten sehr schlecht gewesen. An einigen Orten hat es sogar während Jahren nicht mehr richtig geregnet. Nun regnet es schon so viel, dass viele Städte und Dörfer mit Überschwemmungen kämpfen.
Der segensreiche Regen mindert auch die Strom- und Wasserkrise. Die meisten Staudämme und ihre Kraftwerke waren auf historischem Tiefstand, während der Strompreis auf dessen Höchststand kletterte. Der Sobradinho-Stausee, der wichtigste Staudamm für den Sertão, sowohl was die Wasserversorgung wie auch was die Stromproduktion angeht, erreichte gar eine Wasserkapazität von bloss 1,11 %. Nun ist die im Staubecken versunkene Stadt Remanso, wo die ersten Missionare der SAM tätig waren, wieder völlig im Trockenen (siehe Video ab Minute 3).


Mit den Regefällen schöpft die Inlandbevölkerung wieder Mut und Hoffnung.
Das PróSERTÃO möchte mit dem Projekt für alternative Landwirtschaft den Menschen im Inland helfen ihre Lebensgrundlage zu verbessern, insbesondere jetzt wo sie ihr Jobs in den pharaonischen Bauprojekten der Regierung verloren haben. Wir hoffen und beten, dass die Menschen den Regen als Ausdruck der Liebe Gottes in der Krise erkennen und Ihn suchen.

Donnerstag, 12. September 2013

Vortrag vor über 100 Teens im Inland

Schon lange war es unser Wunsch einmal in der grössten Oberstufenschule des Inlands von Barão de Grajaú einen sozialen Event zu organisieren. Letzten Freitag fuhren Natália, Valter und ich nach Piripiri, ein kleines Inlanddorf, welches etwa eine halbe Autostunde von uns entfernt liegt. Dort befindet diese Schule, in der alle Teenies und Jugendliche der Inlanddörfer in der Umgebung studieren. Wir hielten einen Vortrag zum Thema "Gesundheit in der Teeniezeit". Nach einem kleinen Eisbrecherspiel, welches Valter leitete, ermutigte ich die Teenies in zwei lustigen Theatern zu einem freundlichen Umgang mit ihren Mitmenschen. "Bitte" oder "Danke" sagen ist hier gar nicht selbstverständlich, weshalb uns die Lehrer baten auch dieses Thema anzuschneiden. Danach hörten die 100 Teenies aufmerksam zu, als Natália (Krankenschwester) ihnen wichtige Infos zum Thema Impfungen, Zahnhygiene, Arztbesuche, gesunde Ernährung usw. weitergab. Nach ein paar Fragen zum Thema, bedienten sich alle mit einem Stück an den vier riesigen und saftigen Wassermelone - ein Beispiel für ein gesundes "Zvieri".
Von den Lehrern erhielten wir grünes Licht weitere Vorträge halten zu können. Dieses Angebot wollen wir natürlich nicht ablehnen, denn wo sonst hätten wir die Möglichkeit, allen Teenies von über 20 Inlanddörfern gleichzeitig, wichtige Infos für ihr Leben mitzugeben. Wir wollen beim nächsten Mal das Thema Verhütung thematisieren.