Dienstag, 30. November 2010

Start unserer Sammelaktion für "Haus Reiflers"

Seit wir in Brasilien zurück sind wohnen wir in einem Miethaus in Floriano.
Ab Ende Januar werden wir aber im benachbarten Barão de Grajaú arbeiten, um dort eine neue Gemeinde zu gründen.
Die Schweizer Allianz Mission wird für uns in Barão deshalb ein Grundstück kaufen, welches folgenden Zwecken dienen soll:
  1. Wir sind der Überzeugung, dass wir in der Nähe der Menschen wohnen sollen, mit denen wir arbeiten. Das Haus soll unseren Bedürfnissen als Familie entsprechen.
  2. Ab 2012 werden wir verstärkt im neuen Projekt ProSertão mitarbeiten. Das Haus soll dann als Basisstation dienen, von wo aus die Inlandbevölkerung von Barão de Grajaú und Floriano bedient werden kann. Auf diesem Grundstück können Leiterretraiten und Ausbildungskurse stattfinden.
Seit ca. 2 Wochen haben wir ein grosses Grundstück in Aussicht. Es ist sehr günstig gelegen, an einer Aussfahrtstrasse zu den Inlanddörfen entlang des Fluss Parnaíba. Auf dem Stück Land steht bereits ein Haus, welches aber für uns als Familie nicht optimal ist. Als Gästehaus wird es aber seinen Zweck wunderbar erfüllen. Wir planen daher nebenan ein neues Haus zu bauen.
Wir haben in der letzten Wochen ein vorläufiges Projekt und ein Budget erstellt.

Spendenaktion "Haus Reifler's"

Nun brauchen wir eure Spende, damit wir dieses Projekt bis Ende April zu Ende bringen können. Dazu sind insgesamt ca. SFR 50'000.- nötig.
Dank des Verkaufs eines anderen Hauses der Mission beginnen wir die Spendenaktion mit bereits SFR. 11'650.- auf dem Konto.
Spendenkonto:
Schweizer Allianz Mission
Wolfensbergstr. 47
8400 Winterthur
PC Nr. der SAM: 84-1706-5 Vermerk „Haus Reifler's“

Vorgedruckte und kodierte Einzahlungsscheine können kostenlos bei SAM unter folgender Telefonnummer bestellt werden: +41 (52) 269 04 69

* zu 100% von den Steuern abziehbar

Samstag, 27. November 2010

Krieg in Rio

Seit Jahrzehnten hat die Regierung keine Kontrolle über mehrere Stadtteile Rio de Janeiros. Die unzugänglichen "Favelas" an den Hängen der Hügeln, die diese Stadt so einzigartig machen, sind ganz in der Hand der Drogenbosse.
Doch damit soll nun im Hinblick auf die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio Schluss sein. Nach mehreren Gewaltakten der Drogenbanden, angezündete Autos und Busse und Raubüberfälle, ist die Regierung entschlossen die Hoheit über zwei grosse Favelas zurück zu erobern. Insgesamt 15'000 Polizisten und 800 Armeeangehörige die in Haiti gedient hatten mitsamt Strassentankern nehmen an der Aktion teil, die nun schon mehrere Tage andauert.
Während die "Vila Cruzeiro" umzingelt wurde und die Spezialtruppen Haus um Haus durchkämmten, versuchten mehrer 100 Drogendealer unter schwerem Beschuss der Polizei über den Hügel zur benachbarten Favela "Complexo do Alemão" zu flüchten. Nun wollen die Behörden auch diese noch grössere Favela einnehmen. Die Aktion hat in dieser Nacht begonnen.
Die Bilder wurden live im Fernseher übertragen. Flüchtende Drogendealer werden von der Polizei unter Beschuss genommen:



Angriffe auf Autos und Busse:
Artikel der NZZ:
http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/brasilianische_polizei_stuermt_rios_elendsviertel_1.8489061.html

Mittwoch, 24. November 2010

Was mache ich mit meinen Mädchen heute Nachmittag?

Genau diese Frage stelle ich mir oft, wenn ich um 15.00 Uhr Eliana und Livia vom Mittagsschlaf aufwecke. Diese Frage ist hier im Piauí nämlich gar nicht so leicht zu beantworten. Spaziergänge machen, auf den Spielplatz gehen oder die Tiere auf dem Bauernhof anschauen sind hier keine Optionen mehr. In der prallen Nachmittagssonne bei 40° und auf den verlotterten Trottoir kann man einfach nicht Spazieren gehen. Auf die Spielplätze, die es nur bei Restaurants gibt, kann man frühstens ab 17.30 Uhr, wenn die Sonne schon fast untergegangen ist. Um dieses Zeit denke ich schon langsam daran das Nachtessen vorzubereiten. Der nächste "Bauernhof" liegt einige Kilometer weit entfernt und sind nicht offen für das "Publikum". Was nun also tun, was sinnvoll ist, uns Freude macht und sogar noch anderen Menschen eine Freude machen würde?
Jemanden besuchen! Ja, das habe ich früher mit Eliana oft gemacht. Mit zwei kleinen Kindern gestaltet sich das aber schon einiges schwieriger, wie ich herausfinden musste. Bis ich uns alle geduscht und anständig angezogen habe (hier kann man einfach nicht ohne vorher zu duschen in ein anderes Haus), sind wir alle schon wieder verschwitzt und wünschen uns die nächste Dusche! Wenn wir dann endlich angekommen sind, kommt es oft vor, dass ich mehr damit beschäftigt die Kinder davon abzuhalten mit der Dekoration unserer Gastgeber zu spielen oder Streit zu schlichten, weil beide mit demselben mitgebrachten Spielzeug spielen möchten, als mit dem Gastgeber ein Gespräch zu führen. Am besten ist es, wenn wir zu jemandem gehen der selbst Kinder hat. Ehrlich gesagt, fehlt mir bei dieser Hitze hier oft die Kraft und die Motivation aus dem Haus zu gehen.
Wir können auch einkaufen gehen. Das Gute daran ist, dass die meisten Supermärkte klimatisiert sind. Aber einkaufen gehen muss man auch nicht jeden Tag! Das könnte sonst teuer werden!
Oder wir bleiben einfach zu Hause. Es kommt dann immer wieder vor, dass Kinder aus der Gemeinde oder Nachbahrskinder zum Spielen zu uns kommen. Dann haben Eliana und Livia wenigstens etwas Gemeinschaft und müssen nicht den ganzen Tag "nur" mit ihrer Mutter spielen. Für mich bleibt aber nichts anderes übrig als zu Haushalten, was hier in Brasilien wirklich nie ein Ende hat. Dinge wie E-mails schreiben, Sonntagschule vorbereiten oder andere Schreibarbeiten erledigen, kann ich erst am Abend, wenn Ruhe eingekehrt ist. Obwohl sich die Kinder meist selbst beschäftigen, kommt trotzdem immer wieder eins angerannt und will entweder Wasser trinken oder gehalten werden, oder, oder, oder...
Was mache ich mit meinen Mädchen heute Nachmittag? Diese Frage wird mich wahrscheinlich noch lange begleiten und ich werde sie auch nie ganz befriedigend beantworten können, wer kann das schon? Manchmal gibt es Tage, da schau ich am Abend zurück und freue mich darüber, was wir an diesem Tag erreicht haben, gemeinsam unternehmen konnten oder was für ein gutes Gespräch ich mit jemandem führen konnte. Sehr oft kommt es aber vor, dass ich einfach nur froh bin, dass wieder ein Tag vorbei ist und ein unbefriedigendes Gefühl bleibt zurück.

Dienstag, 2. November 2010

Die erste Frau im Amt als Präsident

Wie erwartet hat Dilma Rousseff mit 56,05% die Wahlen zum Präsidenten in Brasilien für sich entschieden.
Der 2. Wahlgang brachte keine Überraschungen mehr. Niemand hatte am Sieg von Lulas Wunschkandidatin gezweifelt. Zu gross ist seine Popularität.

Hier einige Reaktionen in den Zeitungen des deutschsprachigen Raumes:

(Schlange in einem Stimmlokal in Caracol)

Lulas Erbe:
Lula hat mit der Bolsa Família (Finanzspritze für arme Familien) Millionen von Brasilianern aus der Armut verholfen. Der Preis sind die hohen Staatsausgaben, die im Moment dank der starken Wirtschaft tragbar sind.
Lula hatte den neoliberale Wirtschaftskurs lediglich weiter geführt. Den wirtschaftlichen Umschwung hatte aber sein äusserst unbeliebter Vorgänger Fernando Henrique Cardoso eingeleitet, was seine Anhänger gerne übersehen.
Mit seinem Charisma vermochte Lula die Massen im In- und Ausland überzeugen und über seine Schwächen hinwegsehen. Die meist erzählte Geschichte ist die eines armen Metallarbeiters aus dem Pernambuco, der auf einem zum Reisebus umfunktionierten Lastwagen (Pau de Arara) nach São Paulo zog und dort, um Führer der Armen und Arbeiterklasse avancierte.
Es wird für Dilma schwierig werden den hohen Erwartungen der Menschen in ihrem Land gerecht zu werden, angesichts dessen, dass sie bloss dank Lulas Einfluss gewählt worden war.