Mittwoch, 24. November 2010

Was mache ich mit meinen Mädchen heute Nachmittag?

Genau diese Frage stelle ich mir oft, wenn ich um 15.00 Uhr Eliana und Livia vom Mittagsschlaf aufwecke. Diese Frage ist hier im Piauí nämlich gar nicht so leicht zu beantworten. Spaziergänge machen, auf den Spielplatz gehen oder die Tiere auf dem Bauernhof anschauen sind hier keine Optionen mehr. In der prallen Nachmittagssonne bei 40° und auf den verlotterten Trottoir kann man einfach nicht Spazieren gehen. Auf die Spielplätze, die es nur bei Restaurants gibt, kann man frühstens ab 17.30 Uhr, wenn die Sonne schon fast untergegangen ist. Um dieses Zeit denke ich schon langsam daran das Nachtessen vorzubereiten. Der nächste "Bauernhof" liegt einige Kilometer weit entfernt und sind nicht offen für das "Publikum". Was nun also tun, was sinnvoll ist, uns Freude macht und sogar noch anderen Menschen eine Freude machen würde?
Jemanden besuchen! Ja, das habe ich früher mit Eliana oft gemacht. Mit zwei kleinen Kindern gestaltet sich das aber schon einiges schwieriger, wie ich herausfinden musste. Bis ich uns alle geduscht und anständig angezogen habe (hier kann man einfach nicht ohne vorher zu duschen in ein anderes Haus), sind wir alle schon wieder verschwitzt und wünschen uns die nächste Dusche! Wenn wir dann endlich angekommen sind, kommt es oft vor, dass ich mehr damit beschäftigt die Kinder davon abzuhalten mit der Dekoration unserer Gastgeber zu spielen oder Streit zu schlichten, weil beide mit demselben mitgebrachten Spielzeug spielen möchten, als mit dem Gastgeber ein Gespräch zu führen. Am besten ist es, wenn wir zu jemandem gehen der selbst Kinder hat. Ehrlich gesagt, fehlt mir bei dieser Hitze hier oft die Kraft und die Motivation aus dem Haus zu gehen.
Wir können auch einkaufen gehen. Das Gute daran ist, dass die meisten Supermärkte klimatisiert sind. Aber einkaufen gehen muss man auch nicht jeden Tag! Das könnte sonst teuer werden!
Oder wir bleiben einfach zu Hause. Es kommt dann immer wieder vor, dass Kinder aus der Gemeinde oder Nachbahrskinder zum Spielen zu uns kommen. Dann haben Eliana und Livia wenigstens etwas Gemeinschaft und müssen nicht den ganzen Tag "nur" mit ihrer Mutter spielen. Für mich bleibt aber nichts anderes übrig als zu Haushalten, was hier in Brasilien wirklich nie ein Ende hat. Dinge wie E-mails schreiben, Sonntagschule vorbereiten oder andere Schreibarbeiten erledigen, kann ich erst am Abend, wenn Ruhe eingekehrt ist. Obwohl sich die Kinder meist selbst beschäftigen, kommt trotzdem immer wieder eins angerannt und will entweder Wasser trinken oder gehalten werden, oder, oder, oder...
Was mache ich mit meinen Mädchen heute Nachmittag? Diese Frage wird mich wahrscheinlich noch lange begleiten und ich werde sie auch nie ganz befriedigend beantworten können, wer kann das schon? Manchmal gibt es Tage, da schau ich am Abend zurück und freue mich darüber, was wir an diesem Tag erreicht haben, gemeinsam unternehmen konnten oder was für ein gutes Gespräch ich mit jemandem führen konnte. Sehr oft kommt es aber vor, dass ich einfach nur froh bin, dass wieder ein Tag vorbei ist und ein unbefriedigendes Gefühl bleibt zurück.

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