Brasilien steht seit 2014 nicht nur ökonomisch und sportlich (verlorene WM) in der Krise. Auch im Bereich Gesundheit hapert es gewaltig. Der Zikavirus-Ausbruch ist ein Beweis für die prekären Bedingungen im Gesundheitswesen und in der Prävention.
Die NZZ hat einen interessanten Bericht darüber veröffentlicht:
http://www.nzz.ch/international/amerika/ein-virus-entbloesst-brasilien-1.18698170
Bis heute ist unklar, wie das Virus nach Brasilien gelangt ist. Es wird vermutet, dass es durch infizierte Fussballfans während der WM 2014 aus Afrika ins Land gebracht worden ist. Die WM hat zwar nicht den erwartet Fifa Pokal gebracht, dafür hat Brasilien für die Austragung einen anderen Preis erhalten (siehe Bild neben an und Facebook-Eintrag vom 27. Januar). Heute weiss man, dass es sich um denselben Virusstrang handelt, der 2013 in Französich Polinesien zu einem Ausbruch geführt hatte.
Eine Journalistin der Zeitschrift "Christianisme aujourd'hui", die einen
Artikel über das Zika-Virus schreiben möchte, ist mit der SAM in Verbindung getreten, um von ihren Brasilien Missionaren zu wissen, wie das Engagement der Gemeinden in diesem Bereich aussieht. Folgend ihre Fragen und meine Antworten vom 16. Februar:
Sonntag, 21. Februar 2016
Donnerstag, 4. Februar 2016
Krise und Segen
Selbstverschuldete Krise
Lies dazu den NZZ-Bericht "Eine verlorene Dekade - Brasilien im Freien Fall"Die Zeichen der Krise in Brasilien sind auch für uns überall sichtbar:
- Mehrere Mitglieder unserer Gemeinde haben fast gleichzeitig ihre Jobs verloren
- Vor den Strassenampeln gibt es immer mehr Strassenkünstler und vor allem Bettler
- An tausende Baustellen wird nicht mehr gearbeitet: insbesondere an der Privatwirschtaft, Wohnhäusern für Arme, Brücken und Viadukten der öffentlichen Hand. Von unserem Haus sieht man das erste von drei hintereinander gebauten Hochhäusern (sieh Bild unten). Seit Juni letzten Jahres stehen die Arbeiten still.
- In den meisten Städten steigt die Kriminalität, in Teresina besonders stark. Im letzten Jahr wurden 3 unserer direkten Nachbarn Opfer von Diebstahl, Einbrüchen oder gar bewaffneten Überfällen.
- In der Krisen stiegen dazu die Preise: Letzten Monat war eine Zahnarztuntersuchung BRL 130, nun kostet sie BRL 150. Tomaten kosten Anfang dieses Jahr doppelt so viel wie Ende letzten Jahres.
- Jeden Tag gibt es neue schockierende Nachrichten zum Petrobras-Skandal (genannt "Lava Jato"). Leider hat man sich schon so daran gewöhnt, dass man es bloss apatisch hinnimmt.
- Die Präsidentin steht in einem Absetzungsprozess wegen Wahlbetrugs, der Präsident des Abgeordnetenhauses hat Millionen auf Schweizer Banken, die von der Petrobras abgezweigt worden waren, der Präsident des Senats wird in einem anderen Korruptionsprozess untersucht, der Ex-Präsident und Kultfigur im Sertão Lula Inácio da Silva wurde in mehrerern Aussagen schwer belastet und auch die Hauptfigur der Opposition und Präsidentschaftskandidat ist in den Petrobras-Skandal verwickelt. Wer soll dieses Land regieren?
- Das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs bis 2013, der durch staatliche Subventionen für Arme geförderte Konsummarkt ist nun gesättigt. Dieses Instrument funktioniert nicht mehr, um die Wirtschaft an zu kurbeln.
- Das von jeher schlechte und von der Krise zusätzlich geschwächte Gesundheitssystem bricht mit der Zika-, Chikungunga- und Dengue-Krise fast zusammen.
Unerwarteter Segen
In der wirtschaftlichen, politischen und gesundheitlichen Krise ist zumindest der Regen, ein Geschenk Gottes. Seit zwei Wochen regnet es fast jeden Tag. Eine Seltenheit für Teresina. Eigentlich hatten Meteorologen wegen des El Niños ein schwache Regenzeit für den Sertão vorausgesagt. Seit 2012 sind die Regenzeiten insbesondere im Nordosten sehr schlecht gewesen. An einigen Orten hat es sogar während Jahren nicht mehr richtig geregnet. Nun regnet es schon so viel, dass viele Städte und Dörfer mit Überschwemmungen kämpfen.
Der segensreiche Regen mindert auch die Strom- und Wasserkrise. Die meisten Staudämme und ihre Kraftwerke waren auf historischem Tiefstand, während der Strompreis auf dessen Höchststand kletterte. Der Sobradinho-Stausee, der wichtigste Staudamm für den Sertão, sowohl was die Wasserversorgung wie auch was die Stromproduktion angeht, erreichte gar eine Wasserkapazität von bloss 1,11 %. Nun ist die im Staubecken versunkene Stadt Remanso, wo die ersten Missionare der SAM tätig waren, wieder völlig im Trockenen (siehe Video ab Minute 3).
Mit den Regefällen schöpft die Inlandbevölkerung wieder Mut und Hoffnung.
Das PróSERTÃO möchte mit dem Projekt für alternative Landwirtschaft den Menschen im Inland helfen ihre Lebensgrundlage zu verbessern, insbesondere jetzt wo sie ihr Jobs in den pharaonischen Bauprojekten der Regierung verloren haben. Wir hoffen und beten, dass die Menschen den Regen als Ausdruck der Liebe Gottes in der Krise erkennen und Ihn suchen.
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