Sonntag, 21. Februar 2016

Das Zikavirus hält Brasilien den Atem

Brasilien steht seit 2014 nicht nur ökonomisch und sportlich (verlorene WM) in der Krise. Auch im Bereich Gesundheit hapert es gewaltig. Der Zikavirus-Ausbruch ist ein Beweis für die prekären Bedingungen im Gesundheitswesen und in der Prävention.
Die NZZ hat einen interessanten Bericht darüber veröffentlicht:
http://www.nzz.ch/international/amerika/ein-virus-entbloesst-brasilien-1.18698170 
Bis heute ist unklar, wie das Virus nach Brasilien gelangt ist. Es wird vermutet, dass es durch infizierte Fussballfans während der WM 2014 aus Afrika ins Land gebracht worden ist. Die WM hat zwar nicht den erwartet Fifa Pokal gebracht, dafür hat Brasilien für die Austragung einen anderen Preis erhalten (siehe Bild neben an und Facebook-Eintrag vom 27. Januar). Heute weiss man, dass es sich um denselben Virusstrang handelt, der 2013 in Französich Polinesien zu einem Ausbruch geführt hatte.

Eine Journalistin der Zeitschrift "Christianisme aujourd'hui", die einen Artikel über das Zika-Virus schreiben möchte, ist mit der SAM in Verbindung getreten, um von ihren Brasilien Missionaren zu wissen, wie das Engagement der Gemeinden in diesem Bereich aussieht. Folgend ihre Fragen und meine Antworten vom 16. Februar:



Wie reagieren die evangelischen Gemeinden auf die Zika-Virus-Epidemie und auf die Fälle von Mikrozephalie?

Natürlich sind die Menschen betroffen und man redet darüber. Die meisten Gemeinden sehen sich aber nicht in die Verantwortung hineingezogen. Leider fehlt ihnen dazu die ganzheitliche Sicht.

Zudem ist das Thema Bekämpfung der Aedes Aegyti-Mücken überhaupt nicht neu. Dengue führt seit Jahrzehnten jährlich zu Hunderten von Toten, in 2015 von Januar bis August zu 674 Toten, (http://g1.globo.com/bemestar/dengue/noticia/2015/10/mortes-por-dengue-no-pais-chegam-693-e-batem-recorde-antecipadamente.html) ohne, dass dies in Europa in den Medien zu einem Thema wird.

Seit Jahren versucht die Regierung die Bevölkerung über die Gefahr der Mücke und über die Prävention ihrer Verbreitung zu informieren über alle zur Verfügung stehenden Kanäle. Leider ohne Erfolg, denn jährlich steigt die Zahl der Toten. Trotz all diesen Bemühungen liegt auf jedem unbebauten Grundstück viel Abfall, Brutstätte für die Mücke. Leben im und mit dem Abfall ist tief in der Brasilianischen Kultur verwurzelt. Viele stören sich daran, wollen oder können aber ihre Angewohnheiten nicht ändern.

Fast jeden Tag erscheint eine Reportage im Fernseher, dass wieder vor einem Gesundheitsministerium Dengue-Mücken Brutstätten in herumliegenden Abfall gefunden worden sind.

Es gibt also eine gewisse Resignation in der Bevölkerung, was dieses Thema angeht und diese herrscht natürlich auch in den Gemeinden.
Ergänzung vom 21.2.2016:
Dengue, Chikungunha und nun Zika sind in erster Linie eigentlich ein kulturelles Problem. Wenn sich die Kultur in Bezug auf den Abfall nicht ändert, dann werden sich auch die Bedingungen die diese Krankheiten fördern bestehen.

Helfen die Gemeinden, die Ausbreitung zu vermeiden oder begleiten sie zukünftige Mütter in Schwierigkeiten?

Leider kaum. Wir vom Projekt PróSERTÃO der SAM versuchen natürlich in allen unseren Anlässen ein ganzheitliche Verantwortung der Gemeinde zu vermitteln. Ich selbst habe an diesem Wochenende in einem geistlichen Karnevals-Lager einer Gemeinden fast an jeden Tag über die Verantwortung jedes Christen gesprochen, was das weg werfen von Abfall angeht, in Bezug auf die Umwelt und in Bezug auf unsere eigene Gesundheit, und dass wir als Christen berufen wurden gut zu unserer Umwelt auf zu passen. An folgenden Tag hörte ich eine Frau ihrem Jungen sagen: "Lies diesen Plastikbecher vom Bodem auf, sonst schimpft der Pastor mit dir." Mit anderen Worten: Bloss wenn der Pastor schaut, muss man sich daran halten. Sie hat nichts verstanden!
Ergänzung vom 21.2.2016:
Am selben Samstag sprach ich mit einer anderen Frau die für die Gesundheitsbehörde ihrer Stadt Presidente Dutra arbeitet. Sei begleitet 2 Frauen deren Babys mit Mikrozephalie zu Welt gekommen sind. Sie war sehr besorgt und meinte, dass ihre Gemeinde die Gefahr einfach noch nicht erkannt habe.

In Brasilien ist Abtreibung nur dann erlaubt, wenn die Mutter aufgrund der Schwangerschaft in Lebensgefahr geraten könnte oder nach einer Vergewaltigung. Ist mit der aktuellen Situation die Debatte darüber wieder aufgekommen? Ist es möglich, dass das Gesetz überarbeitet wird?

Nein, Abtreibung wird erst jetzt mehr und mehr zum Thema. Abtreibung ist immer noch verboten und wird in der mehrheitlich katholischen und evangelischen Bevölkerung klar abgelehnt. Es handelt sich immer noch um ein Tabu. Trotzdem werden illegal und in Hinterzimmern sehr viele Abtreibungen vollzogen, vielleicht sogar mehr als in vielen Europäischen Ländern.

Zum Thema Abtreibung wegen Microzephalie habe ich Berichte im fast monopolartig dominierenden Fernsehen Globo gesehen, die die Mütter ermutigen ihre Kinder zur Welt zu bringen. TV Globo hat eine offenkundige spiritistische Tendenz (Kardecismus).

Beteiligen sich die christlichen Gemeinden an dieser Debatte, stehen sie auf?

Auch hier wieder muss man sagen, dass es keine breite Beteiligung an der Debatte gibt. Viele Leiter von Denominationen möchten keine klare Stellung zum Thema ein nehmen (http://oglobo.globo.com/brasil/aborto-em-casos-de-microcefalia-divide-igrejas-cristas-18644142).
Ergänzung vom 21.2.2016:
Einige, wie der Präsident der Allianz der Baptisten, wollen angesichts der Notsituation gar eine gesetzliche Ausnahme im Abtreibungsverbot gewähren, möchten aber klarstellen, dass es sich nicht um eine offizielle Stellungnahme handelt, da alle Gemeinden unabhängig seien. Dies zeigt die mangelnde biblische Reflektion zu diesem Thema. Ausgerechnet der monopolartig dominierende spiritistische Sender Globo ermutigt Frauen ihre Mikrozephalie-erkrankten Kinder zu Welt zu bringen!

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