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Donnerstag, 13. Oktober 2016

Es hätte alles schlimmer kommen können!

Ein Bericht von Beat Roggensinger

Irgendwann wurde jemand auf den Rauch aufmerksam. Da aber Rauch und Buschbrände nicht ungewöhnlich sind, schenkten wir ihm keine weitere Beachtung. Plötzlich hörten wir aber das Feuer, ein Geräusch das durch Mark und Bein geht. Wir nahmen die ganze Macht eines Feuers, das nicht aufzuhalten ist, wahr.

Da unser Haus und noch einige andere Häuser von unserem Schulungszentrum nahe an Bäumen ist, damit durch Schatten die Häuser nicht so aufgeheizt werden von der Sonne, versuchten wir die Häuser zu schützen. Da sie dürres Laub auf den Dächern hatten, begannen einige bald zu rauchen. Der Funkenwurf und der Wind waren enorm und selbst über grössere Distanzen konnte sich das Feuer ausbreiten, ohne dass es direkte Verbindung hatte. Die Palmen standen wir übergrosse brennende Fackeln da. Unser Haus war eingekreist mit Feuer, das bis auf 3 Meter heran kam. Irgendwann sagte jemand zu meiner Frau, sie solle mal in den Räumen nachschauen, ob alles in Ordnung ist. In unserem Schlafzimmer mottete bereits ein Kissen, weil Funken durch die Dachziegel hineingefallen war (wir haben keine Decken im Haus). Im Büro brannte eine Bibel. Das Sofa hatte danach Brandlöcher, etc.

Der Schaden war enorm, obwohl Gott sei Dank kein Haus nieder gebrannt war. Der Stachelzaun rund um das Gelände ist zum Teil verbrannt. Der Funkturm für das Internet nahm Schaden und Wasserleitungen, die von den Wassertanks weg in die Häuser führten, sind geschmolzen und müssen ausgewechselt werden.

Am Tag danach, jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, raucht es noch überall um mich herum. Zwischendurch muss ich mit einem Kübel Wasser wieder ein Aufflackern löschen. Asche rieselt leise auf mein Notebook, wie der Schnee in der Schweiz.

Hier in Brasilien gibt es keine Versicherungen. Unser privater Schaden hält sich in Grenzen. Der Schaden an der Natur und auch der Schaden für das Schulungszentrum ist aber bemerkenswert. Im Moment haben wir noch keine Schadensschätzung. Aber es wird sich auf einige Tausend Franken belaufen. Das sind unvorhergesehene Kosten, die wir nicht im Budget haben. Mit andern Worten: Wir wissen nicht, wie wir sie decken können.

Hier gehts zu den Bildern vom Feuer

Sollte jemand die Möglichkeit sehen, uns aus der «Klemme» zu helfen, darf man gerne eine Spende machen, die sogar von den Steuern abgezogen werden kann: PC-Konto 84-1706-5 (Schweizer Allianz Mission) Bemerkung: «ProSERTAO-Feuerschaden». Herzlichen Dank im Voraus.

Mittwoch, 31. August 2016

Eine brasilianische Lösung

Der sich schon über Monate hinziehende Impeachment Prozess endete heute mit der wohl schlechtesten aller Lösungen, einer brasilianischen Lösung. Dilma Roussef wird zwar ihres Amtes enthoben, wird aber nicht mit einem 8 jährigen Bann von der Politik bestraft.
Damit offenbaren die Senatoren, was von Impeachment Gegner schon immer vorgeworfen worden war: Es handelt sich um einen rein politischen Prozess!
Der eigentliche Anklage indirekt Milliarden Kredite bei den Banken aufgenommen zu haben, um den Staatshaushalt im Jahr ihrer Wiederwahl zu verbessern, bleibt damit ohne Folgen. Sie muss sich mit ihrer nun definitiven Absetzung nur dafür verantworten, dass sie dies ohne politischen Rückhalt getan hat. Übrigens haben auch schon frühere Präsidenten, solche die heute Dilmas Ankläger waren, zwecks Wiederwahl von diesen Praktiken Gebrauch gemacht, natürlich ohne Folgen.
Damit wird die Kultur der Machenschaften in der Grauzone, die das gesamte politische System Brasiliens mit ihrer inhärenten Korruption charakterisieren zementiert.
Dieser Prozess wäre eine Chance gewesen für einen Neuanfang, eine neue Kultur in der brasilianischen Politik. Diese Chance hat man verpasst.

Ein "Teufel" für einen "Engel"?

Nun wird Dilma Roussef definitv durch Michel Temer als Präsidenten ersetzt. Es bleibt die Frage ob das Land mit dem neuen Präsidenten wirklich besser besetzt ist. Im laufenden Antikorruptionsverfahren der Bundespolizei, genannt "Lava Jato" (Waschanlage), das immer noch fast täglich neue Verbrechen rund um die Petrobras und die grössten Baufirmen des Landes ans Tageslicht bringt, wurde in mehreren Zeugenaussagen Temer vorgeworfen mindestens 5 Millionen Reais an Geldern vom Baukonzern OAS erhalten zu haben. Ausserdem war er massgebend an der Wahl mehrer korrupter Topmanager der Petrobras beteiligt, die nun schon in Haft sitzen. Temer wird in sozialen Medien immer wieder Vorgeworfen an satanischen Ritualen teil zu nehmen. Haben wir nun einen "Teufel" zum Präsidenten?
Dilma hingegen kann bisher fast gar nichts vorgeworfen werden. Neben dem im wörtlichen Sinn farblosen Temer sieht sie aus wie ein Engelchen!
"Fast nichts", denn als man drauf und dran war ihren Busenfreund Lula Inácio da Silva gefangen zu nehmen, wegen Besitz einer 2 stöckigen Luxuswohnung an nobelster Lage welches im Namen der OAS registriert war, wollte sie ihn per Eilbrief flugs zum "Spezial"-Minister machen, damit er von der damit gewonnen Immunität Gebrauch machen könnte und sich so der Haft entziehen.
Diesen Fauxpas gegenüber eines Freundes und Nationalheiligen haben die Brasilianer ihr jedoch verziehen und blieb bis heute ohne rechtlichen Folgen. Aber ein "Engelchen" ist auch sie mit Sicherheit nicht!
Wie kann es sein, dass sie jahrelang unter Lula Ministerin für Erz und Energie war, als solche Mitglied des Verwaltungsrats der Petrobras war und nichts von den Ungereimtheit wusste?

Wer ist nun Schuld an der Krise?

Ist Dilmas Arbeiterpartei PT die Schuldige, die die satten Staatsgewinn der sieben fetten Jahren nicht nachhaltig in die darbe Infrastruktur investierte, sondern unter den Armen verteilte (im doppelten Sinn des Wortes).
Oder sind die Schuldigen die Parteifreunde Temers, insbesondere des inzwischen wegen Korruption abgesetzten Präsidenten des Parlaments Eduardo Cunho, die zusammen mit der Opposition seit der Wiederwahl Dilmas alles getan haben, um die wirtschaftliche Misere noch zu verschlimmern indem sie die Ausgaben erhöhten und Kürzungen blockierten um die Präsidentin zu disqualifizieren und das Impeachment somit herbeiführten?
"Wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer." Römer 3,10

Sonntag, 21. Februar 2016

Das Zikavirus hält Brasilien den Atem

Brasilien steht seit 2014 nicht nur ökonomisch und sportlich (verlorene WM) in der Krise. Auch im Bereich Gesundheit hapert es gewaltig. Der Zikavirus-Ausbruch ist ein Beweis für die prekären Bedingungen im Gesundheitswesen und in der Prävention.
Die NZZ hat einen interessanten Bericht darüber veröffentlicht:
http://www.nzz.ch/international/amerika/ein-virus-entbloesst-brasilien-1.18698170 
Bis heute ist unklar, wie das Virus nach Brasilien gelangt ist. Es wird vermutet, dass es durch infizierte Fussballfans während der WM 2014 aus Afrika ins Land gebracht worden ist. Die WM hat zwar nicht den erwartet Fifa Pokal gebracht, dafür hat Brasilien für die Austragung einen anderen Preis erhalten (siehe Bild neben an und Facebook-Eintrag vom 27. Januar). Heute weiss man, dass es sich um denselben Virusstrang handelt, der 2013 in Französich Polinesien zu einem Ausbruch geführt hatte.

Eine Journalistin der Zeitschrift "Christianisme aujourd'hui", die einen Artikel über das Zika-Virus schreiben möchte, ist mit der SAM in Verbindung getreten, um von ihren Brasilien Missionaren zu wissen, wie das Engagement der Gemeinden in diesem Bereich aussieht. Folgend ihre Fragen und meine Antworten vom 16. Februar:

Donnerstag, 4. Februar 2016

Krise und Segen

Selbstverschuldete Krise

Lies dazu den NZZ-Bericht "Eine verlorene Dekade - Brasilien im Freien Fall"
Die Zeichen der Krise in Brasilien sind auch für uns überall sichtbar:
  • Mehrere Mitglieder unserer Gemeinde haben fast gleichzeitig ihre Jobs verloren
  • Vor den Strassenampeln gibt es immer mehr Strassenkünstler und vor allem Bettler
  • An tausende Baustellen wird nicht mehr gearbeitet: insbesondere an der Privatwirschtaft, Wohnhäusern für Arme, Brücken und Viadukten der öffentlichen Hand. Von unserem Haus sieht man das erste von drei hintereinander gebauten Hochhäusern (sieh Bild unten). Seit Juni letzten Jahres stehen die Arbeiten still.
  • In den meisten Städten steigt die Kriminalität, in Teresina besonders stark. Im letzten Jahr wurden 3 unserer direkten Nachbarn Opfer von Diebstahl, Einbrüchen oder gar bewaffneten Überfällen.
  • In der Krisen stiegen dazu die Preise: Letzten Monat war eine Zahnarztuntersuchung BRL 130, nun kostet sie BRL 150. Tomaten kosten Anfang dieses Jahr doppelt so viel wie Ende letzten Jahres.
  • Jeden Tag gibt es neue schockierende Nachrichten zum Petrobras-Skandal (genannt "Lava Jato"). Leider hat man sich schon so daran gewöhnt, dass man es bloss apatisch hinnimmt.
  • Die Präsidentin steht in einem Absetzungsprozess wegen Wahlbetrugs, der Präsident des Abgeordnetenhauses hat Millionen auf Schweizer Banken, die von der Petrobras abgezweigt worden waren, der Präsident des Senats wird in einem anderen Korruptionsprozess untersucht, der Ex-Präsident und Kultfigur im Sertão Lula Inácio da Silva wurde in mehrerern Aussagen schwer belastet und auch die Hauptfigur der Opposition und Präsidentschaftskandidat ist in den Petrobras-Skandal verwickelt. Wer soll dieses Land regieren?
  • Das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs bis 2013, der durch staatliche Subventionen für Arme geförderte Konsummarkt ist nun gesättigt. Dieses Instrument funktioniert nicht mehr, um die Wirtschaft an zu kurbeln.
  • Das von jeher schlechte und von der Krise zusätzlich geschwächte Gesundheitssystem bricht mit der Zika-, Chikungunga- und Dengue-Krise fast zusammen.

Unerwarteter Segen

In der wirtschaftlichen, politischen und gesundheitlichen Krise ist zumindest der Regen, ein Geschenk Gottes. Seit zwei Wochen regnet es fast jeden Tag. Eine Seltenheit für Teresina. Eigentlich hatten Meteorologen wegen des El Niños ein schwache Regenzeit für den Sertão vorausgesagt. Seit 2012 sind die Regenzeiten insbesondere im Nordosten sehr schlecht gewesen. An einigen Orten hat es sogar während Jahren nicht mehr richtig geregnet. Nun regnet es schon so viel, dass viele Städte und Dörfer mit Überschwemmungen kämpfen.
Der segensreiche Regen mindert auch die Strom- und Wasserkrise. Die meisten Staudämme und ihre Kraftwerke waren auf historischem Tiefstand, während der Strompreis auf dessen Höchststand kletterte. Der Sobradinho-Stausee, der wichtigste Staudamm für den Sertão, sowohl was die Wasserversorgung wie auch was die Stromproduktion angeht, erreichte gar eine Wasserkapazität von bloss 1,11 %. Nun ist die im Staubecken versunkene Stadt Remanso, wo die ersten Missionare der SAM tätig waren, wieder völlig im Trockenen (siehe Video ab Minute 3).


Mit den Regefällen schöpft die Inlandbevölkerung wieder Mut und Hoffnung.
Das PróSERTÃO möchte mit dem Projekt für alternative Landwirtschaft den Menschen im Inland helfen ihre Lebensgrundlage zu verbessern, insbesondere jetzt wo sie ihr Jobs in den pharaonischen Bauprojekten der Regierung verloren haben. Wir hoffen und beten, dass die Menschen den Regen als Ausdruck der Liebe Gottes in der Krise erkennen und Ihn suchen.

Samstag, 11. April 2015

Alles logisch!

Im Moment lernt Eliana in der Schule über die Rechte und Pflichten eines Kindes, auf der Basis eines Dokumentes, welches von der UNO herausgegeben wurde. In diesem Dokument geht es darum, dass  Kinder ein Recht auf Schutz, Schulbildung und Spielzeit haben, dass kein Kind wegen seiner Rasse, Sprache oder Religion diskriminiert werden darf, usw.
Irgendwie ist es absurd, dass die Kinder dies in der Schule lernen, aber gleichzeitig von 7.00-12.00 Uhr in der Schule sind und am Nachmittag nochmals etwa 3 Stunden Hausaufgaben machen müssen. Wo bleibt denn da die Spielzeit, auf welches die Kinder ja angeblich ein Recht haben?

Eines habe ich in den letzten 8 Jahren gelernt: Hier in Brasilien ist für uns Schweizer nicht immer alles logisch!

Freitag, 10. April 2015

Neuer Tagesablauf

Seit Montag gehen Eliana und Livia in die Schule. Dies hat unsUsus tercius legis
  gleich wieder in einen Kulturschock geführt, weil das Schulsystem so anders funktioniert als in der Schweiz. Unser Tagesablauf sieht jetzt folgendermassen aus:

5:45 Aufstehen und Frühstücken
6:40 Abfahrt in die Schule
7.00 Schulstart für Eliana
7:30 Schulstart für Livia
Morgens ist Simon meist im Büro und Rahel erledigt div. Aufgaben zu Hause
12:00 Schulschluss, Kinder abholen
12:30 Mittagessen
13:30 Siesta
14:30 Hausaufgaben
15:00 Zvieri
15:30 Hausaufgaben (Hier erhalten die Kinder fast von jedem Fach Hausaufgaben, so dass wir im Moment den ganzen Nachmittag damit beschäftigt sind mit den Kindern Aufgaben zu machen.)
18:30 Abendessen
20:00 Kinder ins Bett

Auch Simons Tagesablauf war heute ungewöhnlich:

Gestern kam ich um 23:00 von der ProSERTÃO-Sitzung im Rancho an, wo ich übernachtete.
05:30 Aufstehen
06:00 Abfahrt in Demerval Lobão, Kaffe und Kuchen beim Tanken an der Tankstelle
bis 09:00 280 km Nonstop nach Picos
09:00 CMM Sitzung mit Josué von Palavra da Vida
11:00 Abfahrt in Picos
11:45 Mittagessen in Churrascaria (Grillrestaurant) für ca. Fr. 3.-
12:00 Weiterfahrt 260km nach Crato
13:30 Altes Ehepaar am Wegrand aufgegabelt und 10km in die nächst Stadt gebracht
14:15 Frau mit Tochter die zur Schule musste (Schulbus kaputt) ca. 10km in das nächste Dorf gefahren
14:30 Hausierer mitgenommen und über den Glauben gesprochen
15:00 Ankunft in Crato
15:40 Treffen mit jungem Luteraner Missionar in Crato
16:00 Vorbereitungen für den Ethikkurs am Samstag
18:00 Abendessen und langes Gespräch über den Sertão mit dem jungen Missionar
19:00 Vorbereitungen und Einrichten des Schulsaales
21:30 Blogeintrag

Morgen habe ich dann von 8:00 bis 18:00 Unterricht. Am Sonntag fahre ich am Morgen wieder in 6-7h nach Teresina zurück.







Sonntag, 26. Oktober 2014

Dilma wiedergewählt, das Land aber geteilt

Dass sich in Brasilien nichts wirklich ändern wird, wusste man schon nach dem ersten Wahlgang, als die echte alternative Marina Silva noch in den letzten zwei Tagen vor der Wahl in den Umfragen auf den dritten Platz abrutschte und den zweiten Wahlgang verpasste.
Danach blieb den Wählern bloss noch die Wahl zwischen der Arbeiterpartei von Dilma Rousseff und der Sozialdemokratischen Partei von Aécio Neves, die beiden Parteien, die sich seit Jahrzehnten schon als Regierungspartei und Opposition entgegenstehen und in Vetternwirtschaft versinken.

Freitag, 17. Mai 2013

Street View Tour durch Floriano

1. Elianas Schule, Pequeno Príncipe (Kleiner Prinz)

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2. Einer unserer Supermärkte, Jorge Batista

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3. Hauptplatz mit der Katholischen Kirche, 180° dahinter die Bank. Hier fahren Eliana und Livia an unseren Freitagen oft Velo. Danach gehen wir Spiessli, Hamburger oder Sushi essen.

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4. Spaziergang am Flussquai. Drüben ist Barão de Grajaú, von wo es leider noch keine Streetveiw-Bilder gibt. Links am Fluss unten befindet sich das "schwimmende Restaurant".

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5. Platz der Bibel, an dem sich jedes Jahr am "Tag der Bibel" alle christlichen Kirchen zu einem gemeinsamen Gottesdienst treffen.

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6. Die Gemeinde in Floriano, 180° nach links, das Haus in dem wir früher wohnten (dunkel graues Tor hinter dem Arbeiter).

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7. Die Kirche von Pastor Marcelo, Igreja Batista El Shadday, mit der wir immer wieder gemeinsam Events organisieren.

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8. Aussicht  auf die zwei Städte Floriano (links) und Barão de Grajaú (rechts) von der Mitte der Brücke über den Fluss Parnaiba, der die Grenze zwischen den Bundesstaaten Piauí und Maranhão markiert.
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9. Näher kommen wir nicht an unser Haus heran, denn das ist das Ende von Street View. Vorne wo der Lastwagen steht, muss man rechts ins Quartier abbiegen.

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10. Unser Haus aus der Satelittenansicht. Dieser Ausschnitt ist natürlich schon ca. 10 Jahre alt. Unser Haus wurde erst vor zwei Jahren gebaut und die Ruine ohne Dach ist heute das Haus in dem sich Simons Büro befindet und alle Gemeindeaktivitäten stattfinden.

CEAC (Centro Evangélico de Apoio à Comunidade) auf einer größeren Karte anzeigen

Donnerstag, 8. November 2012

Kultur und ihre Tücken


„Bei welcher Farbe der Ampel darf man die Strasse überqueren?“ frage ich die Kinder in der Kinderstunde. „Bei rot!“ rufen alle zusammen. Ich stutze, diese Antwort habe ich nicht erwartet. Wir (Schweizer) gehen doch bei grün über die Strasse und bei rot muss man warten. Nach kurzem Nachdenken wird aber auf einmal alles klar. Hier haben die Fussgänger keine Ampeln sondern nur die Fahrzeuge, wenn die Autos also rot haben, können die Fussgänger die Strasse überqueren.
Aber nun von vorne: Am Samstag hatte ich mit den Kindern in der Kinderstunde das Thema Vorbilder. Jedes Kind erhielt ein rotes und ein grünes Papierstück. Ich beschrieb dann viele verschiedene Alltagssituationen und die Kinder mussten beurteilen, ob sie diese Dinge nachmachen sollten oder nicht. Wenn nicht hielten sie das rote Papier hoch, wenn ja, mussten sie das grüne Papier hochhalten.
 Obwohl wir nun schon mehr als 5 Jahre hier arbeiten und uns viel mit der brasilianischen Kultur auseinander gesetzt und gelernt haben, gibt es doch immer wieder Situationen, wie oben beschrieben. Diese lösen dann ein Gemisch von Gefühle bei uns aus:
• Unsicherheit, weil wir gemeint haben wir wissen nun wie es hier geht und dann merken, dass wir doch immer wieder überrascht werden.
• Frustration, weil man nach all diesen Jahren immer noch nicht ganz in der Kultur zuhause ist.
• Zufriedenheit, weil man einmal mehr etwas Neues gelernt hat und einen ganz wenig grösseren Durchblick zu haben scheint.
• Ein Lächeln, weil man auch immer etwas über sich selbst lachen muss, wenn man wieder ins Fettnäpfchen getreten ist.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Regen, Politik, Wasser und Gottesdienstbesucherrekord

Regen

Schon zweimal sind ganz kurz einige wenige Tropfen gefallen. Ein echter kühlender Regenguss lässt aber noch auf sich warten, während es immer heisser wird. Tagsüber kann man das noch aushalten, doch wenn es Nachts um Mitternacht noch weit über 30° warm ist, dann ist das kaum auszuhalten.
Schon öfters haben sich tagsüber schwere Regenwolken angestaut, doch sie wollen ihre Last noch nicht abgeben. Wir hoffen aber, dass es bis ende Monat zum ersten Mal richtig regnet.

Politik und Wasser

Am vorletzten Sonntag waren die Wahlen. Die 22er haben gewonnen, dh. die, die nicht in der Regierung sind. Wir sind erleichtert, denn der ganz Rummel und Lärm ist nun vorbei. Anderseits ist aber die Lage sehr gespannt. Das vom Gemeindepräsident vor den Wahlen versprochene Wasser ist nie gekommen. Das neue Wasserreservoir, das angeblich 1,5 Millionen Reais (ca. SFR 700'000.-) gekostet hat und welches das Wasserproblem lösen sollte, hält laut einem Ingenieursgutachten die Wassermassen nicht aus und droht auseinander zu brechen. Da wurde wohl kräftig gespart. Ausserdem wurden die Zuleitungsrohre zu den Quartieren nicht renoviert, was eigentlich im Betrag enthalten sein sollte. Da nun die regierende Partei die Wahlen verloren hat, wird der Gemeindepräsident das restliche Geld lieber in die eigene Tasche stecken wollen als noch irgendetwas zu investieren.

Gottesdienstbesucherrekord

Das Ende der Wahlen hat noch eine andere diesmal positive Auswirkung: Am letzten Sonntag waren ca. 30 Gottesdienstbesucher anwesend, was neuer Rekord ist. Dies nachdem wir einen Monat lang nur noch als Mitarbeiterteam (Valter, Rozi, Reiflers und Natalia) Gottesdienste feierten, weil die Politik den Menschen im Quartier wichtiger schien. Wir waren sehr entmutigt. Doch Gott ist treu!

Sonntag, 7. Oktober 2012

Wahltag: Endlich ist dieser Wahnsinn vorbei!

Heute finden endlich die Wahlen statt. Bis zuletzt war unklar, wer sie gewinnen wird. Alle fühlen sich auf der Gewinnerseite. Es scheint eine Pattsituation zu bestehen.
In unserem Quartier können wir seit einer Woche einen leichten Vorteil für das 22 erkennen. Nein, wir haben keine Umfragen gemacht. Das können wir an den Fähnchen der Häuser ablesen. Entweder sind sie gelb und mit einer roten 15 oder blau mit einer weissen 22. Praktisch alle bekennen sich so zu ihrer Partei. Unentschlossene gibt es eigentlich kaum mehr.
So können wir abschätzen, dass in unserem Quartier 60% für das 22 stimmen wird und 40% für die 15.
Obwohl die Stimmer eines jeden Bürgers geheim ist, ist dieses Bekenntnis sehr wichtig hier. Der zukünftige Gemeindepräsident muss wissen, wem er seine Wahl verdankt. Er wird sich bei seinen Anhängern dann auch mit unzähligen Jobangeboten in seiner Administration bedanken, während die "Verräter" auf die nächsten Wahlen in 4 Jahren hoffen müssen. Die Ausbildung und Erfahrung der Aspiranten spielen dabei keine Rolle.

Wo bleiben die Gottesdienstbesucher?

Die Wahlen haben unsere Gottesdienste sehr beeinflusst, weil an den Wochenende immer die Wahlveranstaltungen stattfanden. Eigentlich müsste man eher von Wahlparty's sprechen. Man trifft sich, trinkt viel (Alkohol), isst Churrasco, lässt im Minutentakt Knaller in die Luft, möglichst öfters und lauter als die Gegner, hört so laut als möglich die eingehenden Parteisongs aus den auf Anhängern aufgebauten Musikanlagen der Autos und macht anschliessend einen Umzug durch die ganze Stadt mit Autos und Motorrädern.
Viele unserer Gottesdienstbesucher, fehlten in dieser Zeit ganz. Es gab auch Gottesdienste in denen bloss die Teammitarbeiter anwesend waren.
Wir danken Gott, dass die Kleingruppen wie immer auch in dieser Zeit gut besucht waren, da es während der Woche weniger Wahlveranstaltungen gab. Das hat uns weiter gestärkt an dieser Gemeindeform festzuhalten.
Sobald unser Internet es zulässt werden wir einige Bilder publizieren...

Sonntag, 9. September 2012

Gleydson 22 gegen Fleury 15

Letzte Woche fragte ich Aparecida, die bei uns 2 mal die Woche morgens beim Haushalt hilft: „Wer übt im Moment die grösste Macht auf die Menschen aus?“ Sie antwortete mir, wie man es vor einem Pastor tut: „Natürlich Gott!“. Schön wäre es wenn die Menschen in Barão, dies zulassen würden.
Doch die grösste Macht übt im Moment die Politik auf die Menschen hier aus. Im Oktober sind Wahlen und alle Gespräche, alle Anlässe, ja das ganze Leben dreht sich bloss um die Wahlen.
Wie so oft in kleinen Städten Brasiliens gibt es bloss zwei Kandidaten. Einer, Fleury (Wahlnummer 15), steht als Nachfolger des aktuellen Gemeindepräsidenten, hier Prefeito genannt, für das alte System.
Gleydson (Wahlnummer 22), ein junger Mann keine dreissig Jahre, steht für eine neue Regierung. Er entstammt der einflussreichsten Familie von Barão, den Rezendes, ist aber gar nicht hier aufgewachsen.
In der Schweiz gehen Gemeindewahlen an einem vorbei, ohne dass man viel davon hört. Hier geht es aber bei den Menschen um sehr viel, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Roberto war Koordinator der Unterstufe in der Schule unseres Quartiers. Weil er nun aber in den Gemeinderat für die Opposition (22) einziehen will, wurde er in eine Inlandschule versetzt.
  • Dr. Pedro ist in ganz Barão der beliebteste Arzt, weil er der einzige ist, der sich wirklich um die Einwohner von Barão kümmert. Er war auch der einzige Arzt der im Gesundheitsposten unseres Quartiers jeweils nachmittags behandelte. Weil er aber auch Gleydson (22) unterstützte, wurde er nun in die Nachbarstadt versetzt.
  • Eine junge gläubige Lehrerin eines anderen Quartiers und Mutter eines Säugling sagt, sie hätte keine Freiheit zu stimmen für wen sie wolle. Fleury (15) müsse gewinnen, sonst werde sie höchstwahrscheinlich auch in eine entfernte Schule ins Inland versetzt und müsse dann ihr Säugling während der Woche bei der Grossmutter lassen.
  • In unserem Quartier gibt es seit Monaten kein Wasser mehr. Die Gemeindeverwaltung hat im Januar vom Staat 1,5 Millionen Reais (CHF 700‘000) erhalten, um ein neues grösseres und höheres Wasserreservoir zu bauen. Leider sind die Arbeiten bis heute nicht fertiggestellt worden. Falls nun Gleydson (22) gewinnt und die Bauarbeiten bis zu den Wahlen nicht beendet sind, dann wird die neue Regierung das angefangene Werk wohl kaum beenden, denn die alte Regierung wird schon schauen, dass der Rest des Geldes in den eigenen Hosentaschen verschwindet, bevor sie abtreten muss.

Mit aller Macht und viel Geld versucht Gleydson einen Wechsel herbei zu führen. Dafür hat er 222 Wahlhelfern angestellt, von denen jeder 300 Reais (CHF 150) im Monat verdient und dies während den drei Monaten des Wahlkampfes.
Vom Geld von diesen Wahlhelfern leben deren Familien, so dass er alleine damit einige tausend Stimmen auf sicher hat. Die Frage stellt sich aber, woher denn das Geld kommt, das er diesen Leuten zahlt. Die Kosten für die Wahlen sind so hoch, dass man nur davon ausgehen kann, dass er das Geld als gewählter Gemeindepräsident wieder einholen muss, um seine Schulden bezahlen zu können.
Was hat das mit der Gemeinde in Barão zu tun? Sehr viel! Wir kämpfen darum, dass wir nicht in das politische Gezänk verwickelt werden. Ausserdem findet jedes Wochenende von beiden Seiten Wahlveranstaltungen statt, so dass unsere Gottesdienste sonntags manchmal sehr schlecht besucht sind. Gott sei Dank legen wir den Schwerpunkt auf die Kleingruppen während der Woche, die bisher nicht so unter Teilnehmerschwund leiden. Dort können wir auch die Leute anleiten, wie sie verantwortlich mit dem Wahltrubel umgehen können, ohne ihre Stimme zu verkaufen und somit indirekt die grassierende Korruption zu fördern.
Wir beten, dass die Menschen erkennen, dass Jesus die grössere Macht hat als jeglicher Politiker, seine Versprechen nicht leer sind und er alleine echte Freiheit geben kann.

Sonntag, 8. April 2012

Ostern bedeutet die Geburt von Jesus

Ostern wird hier in Brasilien so ganz anders gefeiert als in der Schweiz.
  • Es gibt kaum Schokolandenosterhasen sondern vor allem Schokoladenostereier, die sündhaft teuer sind
  • An Ostern erhalten alle Kinder Geschenke
  • Die meisten Menschen glauben, dass Jeus an Ostern geboren ist (wohl wegen den Ostereiern, die ja für einen Neuanfang stehen)
  • Über Ostern fahren alle Leute ins Inland um ihre Verwandten auf dem Land zu besuchen. 70% der Häuser in unserem Quartier sind verriegelt
  • An Karfreitag darf kein rotes Fleisch gegessen werden, bloss Bolo de Puba (Manjok Kuchen), Mais und Fisch
  • An Karfreitag und Karsamstag gibt es im ganzen Land Passionsaufführungen und der Jesusfilm läuft in verschiedenen Varianten im Fernsehen
  • An Karfreitag ist endlich mal Ruhe! Man hört keine laute Musik (was sonst 364 Tage im Jahr während 24h fast der Fall ist) und die Leute verhalten sich ganz brav
  • Um 00:00 des Karsamstags verkünden laute Knaller, dass man von nun alles wieder machen darf und die Musik geht an und die Bier und Cachaça Flaschen werden geöffnet
  • Lausbuben stehlen Hühner aus den Gärten der Nachbarschaft, um sie auf dem Grill zu braten
  • Am Karsamstag gibt es im Inland eine grosse Vaquejada (ein Art Rodeo)

Montag, 17. Oktober 2011

Geschichten aus unserem Quartier Nr. 1

Vorgestern ist die Schwester des viermaligen Gemeindepräsidenten von Barão de Grajaú überfallen worden. Da sie sich aber gewehrt hatte haben die zwei drogenabhängigen Täter die Kontrolle über sich verloren und sie erwürgt.
Diese beiden Jungs gehörten zu unserer Nachbarschaft und waren schon immer berüchtigt gewesen. Sie hatten immer an der Strassenecke ca. 100m vor unserem Haus gestanden und wir hatten sie stets nett begrüsst und einige Male mit ihnen gesprochen.
Leider haben sie die falsche Familie angegriffen, denn der ehemalige Gemeindepräsident ist heute einer der wichtigsten Staatsanwälte im Bundesstaat Maranhão. Viele Anwälte und hochrangige Richter sind teil der Verwandtschaft, die, wie das Volk sagt, dafür sorgen werden, dass die beiden nie mehr (lebend) aus dem Gefängnis kommen.
Das ist unsere Nachbarschaft!
Betet um Bewahrung und dass wir auch diesen Menschen die Liebe Gottes zeigen dürfen.

Dienstag, 16. August 2011

Bürokratie-Dschungel in Brasilien

Ich empfehle euch folgenden amüsanten Artikel aus vom Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775098,00.html
Ich kann den Inhalt zu 100% bestätigen.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Metzgerei und Internet

"Metzgerei und Internet" steht auf einem Plakat am Strassenrand an dem ich fast jeden Tag vorbeifahre um zur Baustelle zu gelangen. Draussen wird das Fleisch gleich noch gegrillt und drinnen steht der Computer für die Surfer neben den Tresen wo das rohe Fleisch ausgegeben wird.
Dieses Schild wäre mir niemals aufgefallen, wenn nicht ein Besucher mich darauf aufmerksam gemacht hätte.
Nun dies zeigt wie sehr wir uns an gewisse für uns Schweizer seltsame Dinge in Brasilien gewöhnt haben.
Bei aller Anpassung und Angewöhnung gibt es immer noch genug Eigenheiten die uns täglich daran erinnern, dass wir nicht zuhause sind:
- die unregelmässige Kehrichtsabfuhr
- das Wasser das mindestens einmal inder Woche fehlt (in Barão ist es umgekehrt: es kommt nur einmal in der Woche!!!)
- die führerscheinlosen verrückten Motoradfahrer/innen im Verkehr

Dann wünschen wir uns wieder in der Schweiz zu sein.

Freitag, 31. Dezember 2010

Neujahr in Brasilien

"Mein Neffe aus São Paulo kommt zu den Festtagen" erklärt unsere über 70 jährige Nachbarin Dona Josefa, auf unsere Frage, warum sie ihr Haus renovieren und neu streich liess. Der Besuch aus dem Süden ist so wichtig und vielleicht so selten, dass man sich schon Wochen vorher darauf vorbereitet.
Der Verkehr hat merklich zugenommen auf den Überlandtrassen, was man in Floriano, welches an einer wichtigen Verkehrsachse des Landes liegt schnell merkt. "São Paulo" und "Brasilia" zeigen die meisten Autoschilder der Reisenden.
Ausser dem Kaufrausch merkt man kaum, dass es Weihnachten ist. Es fehlt der Schnee und die Adventsstimmung. Doch die grosse Vorfreude auf die Jahreswende kommt einem Schweizer fast übertrieben vor.
Während ihr in Europa um diese Zeit schon fast beim Countdown seid, sind wir mitten in den Vorbereitungen zum Neujahrsfest. Wer von der Gemeinde nicht verreist ist, ist zu nach Hause eingeladen worde, wo es ein Churrasco gibt. Ca. 4kg Rinds und Ziegen-Fleisch warten darauf verspeisst zu werden.
Neben dem Churrasco göhren 3 weitere Dinge in Brasilien zum Neujahrsfest:
1. An Neujahr trägt man weiss, weil es Frieden bringen soll. Das hat einen Animistischen Hintergrund. Die Manequins in den Schaufenstern sind seit dem ersten Tag nach Weihnachten ganz in modische weisse Kleider gehüllt. Wer sich für das neue Jahr finanziellen Segen erwartet trägt gelb. Für Glück in der Liebe sollte man rot tragen und grün soll ausdrücken, dass man hoffnungsvoll ins neue Jahr geht. Das neue Jahr steht im Zeichen von neuen Errungenschaften, für die Iansã steht, einer Kriegsgöttin der Macumba, der das Jahr 2011 geweiht ist.
2. Zu Neujahr gehört hier auch der Halbmarathon "São Silvestre" in São Paulo. Man hofft dass endlich wieder ein Brasilianer die afrikanische Übermacht schlagen kann.
3. Natürlich gehören auch hier zulande Feuerwerke zum Neujahrsfest. Das bekannteste findet in Rio statt, das Live im Fernseher übertragen wird.

Samstag, 27. November 2010

Krieg in Rio

Seit Jahrzehnten hat die Regierung keine Kontrolle über mehrere Stadtteile Rio de Janeiros. Die unzugänglichen "Favelas" an den Hängen der Hügeln, die diese Stadt so einzigartig machen, sind ganz in der Hand der Drogenbosse.
Doch damit soll nun im Hinblick auf die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio Schluss sein. Nach mehreren Gewaltakten der Drogenbanden, angezündete Autos und Busse und Raubüberfälle, ist die Regierung entschlossen die Hoheit über zwei grosse Favelas zurück zu erobern. Insgesamt 15'000 Polizisten und 800 Armeeangehörige die in Haiti gedient hatten mitsamt Strassentankern nehmen an der Aktion teil, die nun schon mehrere Tage andauert.
Während die "Vila Cruzeiro" umzingelt wurde und die Spezialtruppen Haus um Haus durchkämmten, versuchten mehrer 100 Drogendealer unter schwerem Beschuss der Polizei über den Hügel zur benachbarten Favela "Complexo do Alemão" zu flüchten. Nun wollen die Behörden auch diese noch grössere Favela einnehmen. Die Aktion hat in dieser Nacht begonnen.
Die Bilder wurden live im Fernseher übertragen. Flüchtende Drogendealer werden von der Polizei unter Beschuss genommen:



Angriffe auf Autos und Busse:
Artikel der NZZ:
http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/brasilianische_polizei_stuermt_rios_elendsviertel_1.8489061.html

Dienstag, 2. November 2010

Die erste Frau im Amt als Präsident

Wie erwartet hat Dilma Rousseff mit 56,05% die Wahlen zum Präsidenten in Brasilien für sich entschieden.
Der 2. Wahlgang brachte keine Überraschungen mehr. Niemand hatte am Sieg von Lulas Wunschkandidatin gezweifelt. Zu gross ist seine Popularität.

Hier einige Reaktionen in den Zeitungen des deutschsprachigen Raumes:

(Schlange in einem Stimmlokal in Caracol)

Lulas Erbe:
Lula hat mit der Bolsa Família (Finanzspritze für arme Familien) Millionen von Brasilianern aus der Armut verholfen. Der Preis sind die hohen Staatsausgaben, die im Moment dank der starken Wirtschaft tragbar sind.
Lula hatte den neoliberale Wirtschaftskurs lediglich weiter geführt. Den wirtschaftlichen Umschwung hatte aber sein äusserst unbeliebter Vorgänger Fernando Henrique Cardoso eingeleitet, was seine Anhänger gerne übersehen.
Mit seinem Charisma vermochte Lula die Massen im In- und Ausland überzeugen und über seine Schwächen hinwegsehen. Die meist erzählte Geschichte ist die eines armen Metallarbeiters aus dem Pernambuco, der auf einem zum Reisebus umfunktionierten Lastwagen (Pau de Arara) nach São Paulo zog und dort, um Führer der Armen und Arbeiterklasse avancierte.
Es wird für Dilma schwierig werden den hohen Erwartungen der Menschen in ihrem Land gerecht zu werden, angesichts dessen, dass sie bloss dank Lulas Einfluss gewählt worden war.