Mittwoch, 26. Dezember 2012

Das schönste Weihnachtsgeschenk

Am 24. wollten wir eigentlich als Familie Weihnachten feiern mit einem Festessen. Leider wurden dann die Kinder krank, so dass wir das Essen, die Weihnachtsgeschichte und das Geschenkeauspacken auf den 25. verschieben mussten.
Das war auch gut so, denn am Abend kam ein junger Mann an die Türe und wollte mit Simon sprechen. Seine Familie ist uns bekannt, da wir seine Frau begleiten und die vier kleinen Töchter in die Kinderstunde kommen. Er ist seit Jahren Crack abhängig.
An Heiligabend sagte er mir, dass er sein Leben so nicht mehr aushalte und dass er etwas ändern wolle. Er sei nicht gekommen um zu betteln. Er brauche kein Geld, sondern wolle nur Hilfe und er denke, dass Jesus ihn dabei helfen könne, doch dafür brauche er eine Bibel.
Wir haben ihm schon einmal versucht zu helfen, doch am Tag als wir ihn zu einer öffentlichen Anlaufstelle für Abhängige bringen wollten ist er verschwunden. Dafür entschuldigte er sich sehr.
Ich gab ihm eine Bibel und eine Bibellesehilfe und wir lasen gemeinsam die Weihnachtsgeschichte. Ihn beeindruckte, dass die ausgestossenen Hirten die ersten waren die von der frohen Botschaft des Erlösers gehört hatten.
Ich betete für ihn und bat Gott, dass Er ihn von den Drogen befreien sollte. Danach sagte er wolle Jesus in sein Herz aufnehmen. Ich sagte ihm daraufhin, dass er sich das nochmals überlegen solle, denn das sei eine Entscheidung fürs Leben, nicht nur um von den Drogen frei zu kommen.
Ich vermutete, dass er am morgen nicht mehr kommt, doch ich lag falsch. Am Weihnachtstag erschien er wieder und sagte, er wolle nun wirklich Jesus als seinen Retter annehmen. Gemeinsam beteten wir zu Gott.
Das war erst der Anfang die Schwierigkeiten und Rückschläge kommen nun erst noch. Betet für ihn und auch dass wir einen Weg finde zur vollständigen Rehabilitation.

Donnerstag, 8. November 2012

Kultur und ihre Tücken


„Bei welcher Farbe der Ampel darf man die Strasse überqueren?“ frage ich die Kinder in der Kinderstunde. „Bei rot!“ rufen alle zusammen. Ich stutze, diese Antwort habe ich nicht erwartet. Wir (Schweizer) gehen doch bei grün über die Strasse und bei rot muss man warten. Nach kurzem Nachdenken wird aber auf einmal alles klar. Hier haben die Fussgänger keine Ampeln sondern nur die Fahrzeuge, wenn die Autos also rot haben, können die Fussgänger die Strasse überqueren.
Aber nun von vorne: Am Samstag hatte ich mit den Kindern in der Kinderstunde das Thema Vorbilder. Jedes Kind erhielt ein rotes und ein grünes Papierstück. Ich beschrieb dann viele verschiedene Alltagssituationen und die Kinder mussten beurteilen, ob sie diese Dinge nachmachen sollten oder nicht. Wenn nicht hielten sie das rote Papier hoch, wenn ja, mussten sie das grüne Papier hochhalten.
 Obwohl wir nun schon mehr als 5 Jahre hier arbeiten und uns viel mit der brasilianischen Kultur auseinander gesetzt und gelernt haben, gibt es doch immer wieder Situationen, wie oben beschrieben. Diese lösen dann ein Gemisch von Gefühle bei uns aus:
• Unsicherheit, weil wir gemeint haben wir wissen nun wie es hier geht und dann merken, dass wir doch immer wieder überrascht werden.
• Frustration, weil man nach all diesen Jahren immer noch nicht ganz in der Kultur zuhause ist.
• Zufriedenheit, weil man einmal mehr etwas Neues gelernt hat und einen ganz wenig grösseren Durchblick zu haben scheint.
• Ein Lächeln, weil man auch immer etwas über sich selbst lachen muss, wenn man wieder ins Fettnäpfchen getreten ist.

Freitag, 2. November 2012

Erster Regen nach den Ferien

Heute hat es zum erstenmal geregnet seit... wir wissen es nicht einmal mehr. Wahrscheinlich war es im Juni.
Sofort kühlt es ab und das Unwetter bringt kühlen Wind und wir frieren schon bei feuchten 30° abends. In den letzten Wochen gab es unglaublich heisse Nächte, die wir nicht ausgehalten hätten ohne Klimaanlage. Oft war auch diese überfordert und hat die Temperaturen im Zimmer kaum unter 28° gebracht.
Die heissen Tage von regelmässig ca 40° im Schatten haltet man ja noch aus, wenn man weiss, dass man sich nachts abkühlen kann. Doch wenn das auch nicht mehr hilft, dann kann man nur noch flüchten.

Flucht in die Strand- und Shoppingferien

Das haben wir Letzte Woche getan! Wir sind in die Ferien nach São Luis ans Meer geflüchtet. Dort weht ständig ein vom Meer kommender kühler Wind und es herrschen moderate Temperaturen. So hatten wir schöne Strand- und Shoppingferien, denn wenn wir endlich in einer Grossstadt sind, dann decken wir uns in den riesigen Shoppings wieder mit Kleidern ein. Eliana und Livia wollen dann nichts anderes, als in den McDonalds ein Happy Meal mit einem Spielzeug bestellen.
Gewohnt haben wir bei Freunden, die ein Swimmingpool im Garten haben. Wir haben die Zeit richtig genossen!

Livia ist nun drei Jahre alt:


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Regen, Politik, Wasser und Gottesdienstbesucherrekord

Regen

Schon zweimal sind ganz kurz einige wenige Tropfen gefallen. Ein echter kühlender Regenguss lässt aber noch auf sich warten, während es immer heisser wird. Tagsüber kann man das noch aushalten, doch wenn es Nachts um Mitternacht noch weit über 30° warm ist, dann ist das kaum auszuhalten.
Schon öfters haben sich tagsüber schwere Regenwolken angestaut, doch sie wollen ihre Last noch nicht abgeben. Wir hoffen aber, dass es bis ende Monat zum ersten Mal richtig regnet.

Politik und Wasser

Am vorletzten Sonntag waren die Wahlen. Die 22er haben gewonnen, dh. die, die nicht in der Regierung sind. Wir sind erleichtert, denn der ganz Rummel und Lärm ist nun vorbei. Anderseits ist aber die Lage sehr gespannt. Das vom Gemeindepräsident vor den Wahlen versprochene Wasser ist nie gekommen. Das neue Wasserreservoir, das angeblich 1,5 Millionen Reais (ca. SFR 700'000.-) gekostet hat und welches das Wasserproblem lösen sollte, hält laut einem Ingenieursgutachten die Wassermassen nicht aus und droht auseinander zu brechen. Da wurde wohl kräftig gespart. Ausserdem wurden die Zuleitungsrohre zu den Quartieren nicht renoviert, was eigentlich im Betrag enthalten sein sollte. Da nun die regierende Partei die Wahlen verloren hat, wird der Gemeindepräsident das restliche Geld lieber in die eigene Tasche stecken wollen als noch irgendetwas zu investieren.

Gottesdienstbesucherrekord

Das Ende der Wahlen hat noch eine andere diesmal positive Auswirkung: Am letzten Sonntag waren ca. 30 Gottesdienstbesucher anwesend, was neuer Rekord ist. Dies nachdem wir einen Monat lang nur noch als Mitarbeiterteam (Valter, Rozi, Reiflers und Natalia) Gottesdienste feierten, weil die Politik den Menschen im Quartier wichtiger schien. Wir waren sehr entmutigt. Doch Gott ist treu!

Sonntag, 7. Oktober 2012

Wahltag: Endlich ist dieser Wahnsinn vorbei!

Heute finden endlich die Wahlen statt. Bis zuletzt war unklar, wer sie gewinnen wird. Alle fühlen sich auf der Gewinnerseite. Es scheint eine Pattsituation zu bestehen.
In unserem Quartier können wir seit einer Woche einen leichten Vorteil für das 22 erkennen. Nein, wir haben keine Umfragen gemacht. Das können wir an den Fähnchen der Häuser ablesen. Entweder sind sie gelb und mit einer roten 15 oder blau mit einer weissen 22. Praktisch alle bekennen sich so zu ihrer Partei. Unentschlossene gibt es eigentlich kaum mehr.
So können wir abschätzen, dass in unserem Quartier 60% für das 22 stimmen wird und 40% für die 15.
Obwohl die Stimmer eines jeden Bürgers geheim ist, ist dieses Bekenntnis sehr wichtig hier. Der zukünftige Gemeindepräsident muss wissen, wem er seine Wahl verdankt. Er wird sich bei seinen Anhängern dann auch mit unzähligen Jobangeboten in seiner Administration bedanken, während die "Verräter" auf die nächsten Wahlen in 4 Jahren hoffen müssen. Die Ausbildung und Erfahrung der Aspiranten spielen dabei keine Rolle.

Wo bleiben die Gottesdienstbesucher?

Die Wahlen haben unsere Gottesdienste sehr beeinflusst, weil an den Wochenende immer die Wahlveranstaltungen stattfanden. Eigentlich müsste man eher von Wahlparty's sprechen. Man trifft sich, trinkt viel (Alkohol), isst Churrasco, lässt im Minutentakt Knaller in die Luft, möglichst öfters und lauter als die Gegner, hört so laut als möglich die eingehenden Parteisongs aus den auf Anhängern aufgebauten Musikanlagen der Autos und macht anschliessend einen Umzug durch die ganze Stadt mit Autos und Motorrädern.
Viele unserer Gottesdienstbesucher, fehlten in dieser Zeit ganz. Es gab auch Gottesdienste in denen bloss die Teammitarbeiter anwesend waren.
Wir danken Gott, dass die Kleingruppen wie immer auch in dieser Zeit gut besucht waren, da es während der Woche weniger Wahlveranstaltungen gab. Das hat uns weiter gestärkt an dieser Gemeindeform festzuhalten.
Sobald unser Internet es zulässt werden wir einige Bilder publizieren...

Donnerstag, 4. Oktober 2012

8 Monate Praktikum bei Reiflers

Mein Name ist Joel Roggensinger. Ich bin der Sohn der Missionare der SAM Beat und Ursula Roggensinger. Ich bin in Brasilien aufgewachsen. Als ich aus der Schule kam, zog ich in die Schweiz zurück, um dort meine Lehre als Automechaniker zu machen. Nach meiner Lehre zog es mich nach Kanada, um dort ein Jahr Bibelschule zu machen. Doch nach einem Jahr entschied ich mich noch ein Jahr anzuhängen. Nach meinem zweiten kam dann noch die Entscheidung noch das dritte Jahr anzuhängen, was mich hier her bringt. Das dritte Jahr dieser Bibelschule ist ein Praktikums Jahr, das ich auf dem Missionsfeld absolvieren will. Da es naheliegend ist nach Brasilien in die Nähe meiner Eltern zu ziehen,  wollte ich mit Reifler's zusammen arbeiten. Ich wollte in ein Gebiet gehen, wo ich mehr über Jugendarbeit lernen konnte. Dadurch dass ich in der Schweiz ein Jungscharleiter war, bekam ich den Eindruck, dass man Jugendliche mit Sport einfacher erreichen kann. Dies will ich jetzt durch die kommenden Monate mal beobachten und sehen ob mein Eindruck stimmt. Weitere Punkte sind, mich bei den Hausbesuchen, Gemeindearbeit und Informatik zu engagieren. Wie es aber auf dem Missionsfeld ist und was alles auf mich zu kommt, kann ich nicht genau sagen. Also werde ich mich Tag für Tag überraschen lassen.

Freitag, 28. September 2012

Heiss!!!

Als letzte Nacht um Mitternacht das Termometer immer noch 34 Grad anzeigte und unsere Kinder sich wegen der Hitze trotz Ventilator im Halbschlaf weinend von der einen Seite auf die andere drehten, beschlossen wir kurzerhand die ganze Familie in unserem Schlafzimmer ein zu quartieren, wo ein Airconditioner installiert ist. Eliana schlief auf einer kleinen Babymatraze und Livia nahmen wir zu uns ins Bett. So lagen zeitenweise mit Milena vier Personen in unserem 1,6 Meter breiten Bett. Das war dann eng! Gestern war es am Nachtmittag sehr heiss und gegen Abend zogen tiefe Wolken auf. Wir hofften auf einen schönen Regenguss, den ersten seit 3 Monaten. Es fielen dann doch nur vereinzelt Tropfen und die Wolken blieben über uns hängen und verhinderten, dass die Hitze nach oben entwich. Dies führte dazu, dass der Austausch mit der kühleren Luft in den höheren Lagen nicht stattfinden konnte. Unter der Wolkendecke war es dann ohne jegliches Lüftchen, extrem heiss und tüppig feucht! So hohe Temperaturen Nachts haben wir in den 6 Jahren in denen wir nun hier leben noch nie erlebt! Schwitz!!!

Samstag, 15. September 2012

Lesehilfe-Projekt: Partnerschaft mit der Schule

Heute haben wir ein Lesehilfe-Projekt in Zusammenarbeit mit der Schule des Quartiers begonnen. Cirka 12 Schüler in zwei Gruppen nahmen am ersten Schultag teil, an dem sie geleitet von den freiwilligen Lehrern Leseübungen machten. Der Nachhilfeunterricht richtet sich an 4. bis 5. Klässler, die nie richtig lesen gelernt haben. Das ist in öffentlichen Schulen, im Gegensatz zu den teuren privaten Schulen, leider eher die Regel als die Ausnahme.

Eigentlich war es schon lange Rozis (Valters Frau) Wunsch ein solches Projekt zu realisieren. Sie hat einen Master in Linguistik in Portugiesischer Sprache und ist dafür bestens ausgebildet. Bisher wussten wir aber nicht, wie wir ein solches Projekt starten sollten.
Nun ist die Schule selbst auf uns zugekommen und hat uns gebeten unsere Räumlichkeiten im CEAC zu nutzen. Das CEAC ist das Centro Evangélico de Apoio a Comunidade (Evangelisches Zentrum zur Unterstützung des Quartiers), das Haus in dem wir auch Kinderstunden, Gitarrenunterricht, Soziale Events und Gottesdienste veranstalten.
Seit wir in Barão sind arbeiten wir eng mit der Schule unseres Quartiers zusammen. So werden wir regelmässig an Mutter-, Kinder-, Vater- und anderen Festtagen eingeladen Ansprachen an die Eltern zu halten über Erziehung, Verantwortung und Liebe. So dürfen wir offen in der Schule biblische Werte weitergeben und von der Liebe unseres wunderbaren Gottes reden.
Diese Partnerschaft hat mit dem Lesehilfe-Projekt eine neue Tiefe erreicht und wir hoffen, dass die Kinder dadurch die Liebe Gottes leibhaft erleben dürfen und herausgefordert werden ihm nach zu folgen.

Sonntag, 9. September 2012

Gleydson 22 gegen Fleury 15

Letzte Woche fragte ich Aparecida, die bei uns 2 mal die Woche morgens beim Haushalt hilft: „Wer übt im Moment die grösste Macht auf die Menschen aus?“ Sie antwortete mir, wie man es vor einem Pastor tut: „Natürlich Gott!“. Schön wäre es wenn die Menschen in Barão, dies zulassen würden.
Doch die grösste Macht übt im Moment die Politik auf die Menschen hier aus. Im Oktober sind Wahlen und alle Gespräche, alle Anlässe, ja das ganze Leben dreht sich bloss um die Wahlen.
Wie so oft in kleinen Städten Brasiliens gibt es bloss zwei Kandidaten. Einer, Fleury (Wahlnummer 15), steht als Nachfolger des aktuellen Gemeindepräsidenten, hier Prefeito genannt, für das alte System.
Gleydson (Wahlnummer 22), ein junger Mann keine dreissig Jahre, steht für eine neue Regierung. Er entstammt der einflussreichsten Familie von Barão, den Rezendes, ist aber gar nicht hier aufgewachsen.
In der Schweiz gehen Gemeindewahlen an einem vorbei, ohne dass man viel davon hört. Hier geht es aber bei den Menschen um sehr viel, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Roberto war Koordinator der Unterstufe in der Schule unseres Quartiers. Weil er nun aber in den Gemeinderat für die Opposition (22) einziehen will, wurde er in eine Inlandschule versetzt.
  • Dr. Pedro ist in ganz Barão der beliebteste Arzt, weil er der einzige ist, der sich wirklich um die Einwohner von Barão kümmert. Er war auch der einzige Arzt der im Gesundheitsposten unseres Quartiers jeweils nachmittags behandelte. Weil er aber auch Gleydson (22) unterstützte, wurde er nun in die Nachbarstadt versetzt.
  • Eine junge gläubige Lehrerin eines anderen Quartiers und Mutter eines Säugling sagt, sie hätte keine Freiheit zu stimmen für wen sie wolle. Fleury (15) müsse gewinnen, sonst werde sie höchstwahrscheinlich auch in eine entfernte Schule ins Inland versetzt und müsse dann ihr Säugling während der Woche bei der Grossmutter lassen.
  • In unserem Quartier gibt es seit Monaten kein Wasser mehr. Die Gemeindeverwaltung hat im Januar vom Staat 1,5 Millionen Reais (CHF 700‘000) erhalten, um ein neues grösseres und höheres Wasserreservoir zu bauen. Leider sind die Arbeiten bis heute nicht fertiggestellt worden. Falls nun Gleydson (22) gewinnt und die Bauarbeiten bis zu den Wahlen nicht beendet sind, dann wird die neue Regierung das angefangene Werk wohl kaum beenden, denn die alte Regierung wird schon schauen, dass der Rest des Geldes in den eigenen Hosentaschen verschwindet, bevor sie abtreten muss.

Mit aller Macht und viel Geld versucht Gleydson einen Wechsel herbei zu führen. Dafür hat er 222 Wahlhelfern angestellt, von denen jeder 300 Reais (CHF 150) im Monat verdient und dies während den drei Monaten des Wahlkampfes.
Vom Geld von diesen Wahlhelfern leben deren Familien, so dass er alleine damit einige tausend Stimmen auf sicher hat. Die Frage stellt sich aber, woher denn das Geld kommt, das er diesen Leuten zahlt. Die Kosten für die Wahlen sind so hoch, dass man nur davon ausgehen kann, dass er das Geld als gewählter Gemeindepräsident wieder einholen muss, um seine Schulden bezahlen zu können.
Was hat das mit der Gemeinde in Barão zu tun? Sehr viel! Wir kämpfen darum, dass wir nicht in das politische Gezänk verwickelt werden. Ausserdem findet jedes Wochenende von beiden Seiten Wahlveranstaltungen statt, so dass unsere Gottesdienste sonntags manchmal sehr schlecht besucht sind. Gott sei Dank legen wir den Schwerpunkt auf die Kleingruppen während der Woche, die bisher nicht so unter Teilnehmerschwund leiden. Dort können wir auch die Leute anleiten, wie sie verantwortlich mit dem Wahltrubel umgehen können, ohne ihre Stimme zu verkaufen und somit indirekt die grassierende Korruption zu fördern.
Wir beten, dass die Menschen erkennen, dass Jesus die grössere Macht hat als jeglicher Politiker, seine Versprechen nicht leer sind und er alleine echte Freiheit geben kann.

Freitag, 8. Juni 2012

Milena und ein Hahn

Milenas Kunststücke

Milena ist jetzt schon vier Monate alt. Die Zeit vergeht und immer wieder staunen wir darüber, wie sie schon so viele Fortschritte gemacht hat. Sie dreht sich nun vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück. Das scheint war nicht viel zu sein, aber trotzdem ein kleiner Erfolg für so ein kleines Kind. Nun schaut sie sich ihre Umwelt interessiert an und lacht gerne mal jemanden an.  Auch Spielsachen sind nun langsam ein Thema. So beginnt sie Dinge zu packen und, wie das so ist in diesem Alter, ab in dem Mund damit.

Einen Hahn für den Kochtopf

Vor einer Wochen haben wir noch einen anderen Mitbewohner erhalten: einen Hahn! Simon hat im letzten Monat dreimal eine Familie aus dem Inland in die Stadt gefahren, damit sie sich medizinisch versorgen lassen konnten. Als Dank haben sie uns dann einen Hahn geschenkt. Wir lassen ihn nun noch ein paar Tage leben, damit er etwas grösser und vor allem fetter wird. Aber danach kommt er in den Kochtopf. So ein Hahn hat nämlich auch den Vorteil, dass er die Insekten oder Skorpione frisst. Lassen wir ihm diese Leckerbissen, damit er dann später für uns einen Leckerbissen wird. Unsere Haushaltshilfe, die zweimal in der Woche am Morgen zu uns kommt, kann ihn dann auf unsere Teller bringen. Sie ist eine ältere erfahrene Frau und wird das bestimmt hervorragend hinkriegen.

Der Hahn ist Tot

Update: Leider hat vor ein paar Tagen unser Hund "Golias" unseren Hahn getötet. Eigentlich hatten wir extra aus einer Plastikkiste einen Unterschlupf für den Hahn eingerichtet, damit Golias Nachts dem Tier nicht nachgeht. Doch während wir am Sonntag im Gottesdienst waren hat er die Kiste umgeworfen und der Versuchung nicht widerstehen können, das arme Tier fast zu Tode zu "spielen".
Simon hat dem leidenden und blutenden Hahn noch mit einem Holzbalken den Todesstoss versetzt.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Jede Woche ein sozialer Notfall

Diese Tage waren aus sozialer Sicht sehr anstrengend. Hier nur drei Beispiele, die aufzeigen, mit was für grossen Herausforderungen wir immer wieder zu kämpfen haben:

Drogensucht

Vorletzte Woche wurden wir von einer Frau gerufen, deren drei kleinen Mädchen in die Kinderstunde kommen und die einen Jüngerschaftskurs mit Valter macht. Ihr Mann hatte sie geschlagen und sie musste bei der Polizei gegen ihren eigenen Mann Anzeige erstatten. Diese hat es ihm nun verboten in ihre Nähe zu kommen. Wir kennen den Mann schon seit längerem. Ab und an verrichtete er kleinere Arbeiten an unserem Haus für einen Tageslohn. Schon öfters ist er abends gekommen und hatte um Geld gebeten, was bereits unseren Verdacht weckte. Wir wissen nun mit Sicherheit, dass er schwerst-drogensüchtig ist und im Rausch seine Frau schlägt. Als Valter und ich um ca. 22h zum Haus der Frau kamen, war er gerade auch dort. Wir haben dann vor allem mit ihm gesprochen und versuchten ihn davon zu überzeugen, dass er eine Drogenreha machen sollte. Er sagte aber immer und immer wieder, dass er für ihn keine Hoffnung mehr gibt. Nach einem Gebet haben wir aber trotzdem ein Tag abgemacht, an dem wir ihn in die Reha einliefern würden. Leider erschien er nicht zum abgemachten Termin.

Alkoholsucht

Letzte Woche nun kam die zwölfjährige Raissa zu uns. Sie sagte ihre Tante Francisca sei in einem ganz schlechten Zustand und müssen sofort ins Spital gebracht werden. Francisca ist Alkoholikerin. Seit wir hier wohnen haben wir sie schon öfters gesehen, aber noch nie nüchtern. Nun wollte sie mit dem Trinken aufhören. Als wir sie in ihrem Haus antrafen, fanden wir eine völlig ausgemagerte Frau, die kaum stehen konnte. Sie hatte seit 4 Tagen keinen Alkohol mehr getrunken. Leider hatte sie in dieser Zeit auch nichts mehr essen können, da schon vorher ihre Ernährung bloss aus Alkohol bestanden hatte und sie nicht mehr fähig war, feste Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Nachdem wir sie ins kleine Spital von Barão gebracht hatten, wurde se mit der Ambulanz ins Spital von Floriano verlegt und man gab ihr mehrere Infusionen.

Gewalt in der Familie

Francinete war die erste, die sich bekehrt hatte und ich mache mit ihr einen Jüngerschaftskurs. Am Montag hätte ihr Freund seine erste feste Arbeitsstelle bei der Gemeindeverwaltung in Floriano antreten sollen. Doch statt an seinem ersten Arbeitstag arbeiten zu gehen, ging er mit Freunden am helllichten Tag trinken und wahrscheinlich auch Drogen konsumieren. Als er am Nachmittag nach Hause kam griff er Francinete mit dem Messer an und sagte er wolle sie umbringen. Als der kleine Sohn versuchte ihn daran zu hindern, wurde er gewaltsam zu Boden geschlagen. Der ältere Sohn rannte indessen zu Pastor Valter und beiden riefen die Polizei. Als die Polizei zum Haus kam, hatte er ihr immer noch das Messer am den Hals von Francinete und drohte, er werde sie umbringen. Irgendwie gelang es ihm aber zu flüchten, worauf die Polizei mit scharfer Munition hinterherschiessend ihm nach rannte. Er konnte ihnen aber entwischen.
Nun lebt die Familie in grosser Angst und möchte gerne nach São Paulo umziehen, wo eine Schwester von Francinete wohnt. Dies wäre für die Kinder eine Katastrophe.

Montag, 9. April 2012

Karfreitags Quartierfest und Ostergottesdienst

Über die Ostertage hatten wir zwei Events in der Gemeinde, die ein voller Erfolg waren. Viele Leute hatten im Vorfeld dafür  gebetet. An Karfreitag haben wir eine Peixada (Fisch Eintopf) mit Reis und Salat für die Bewohner des Quartiers gemacht woran 70-80 Leute dran teilnahmen. Zum Dessert gab es Glace (Eis) für alle.
Die Bewohner, die über Ostern nicht ins Inland verreist waren, wie es hier üblich ist, gehören zu den ärmsten oder zu den ältesten. So konnte die Gemeinde genau diesen Menschen dienen und gleichzeitig das Evangelium in offene Herzen predigen. So stelle ich mir die Urgemeinde vor!
Den Auferstehungsgottesdienst am Sonntag haben wir auf der Quadra (offene Halle) des Quartiers veranstaltet. Einige nahmen direkt teil (ca. 50) und viele haben von weitem zugehört. Der erst vor zwei Wochen gegründete Teenieclub (Adolescentes) hat ein eindrückliches Theaterstück mit Choreografie aufgeführt über Tod und Auferstehung von Jesus. Unten einige Bilder vom CEAC (Centro de Atendimento à Comunidade, "Hilfszentrum für die Gemeinschaft"):

Sonntag, 8. April 2012

Ostern bedeutet die Geburt von Jesus

Ostern wird hier in Brasilien so ganz anders gefeiert als in der Schweiz.
  • Es gibt kaum Schokolandenosterhasen sondern vor allem Schokoladenostereier, die sündhaft teuer sind
  • An Ostern erhalten alle Kinder Geschenke
  • Die meisten Menschen glauben, dass Jeus an Ostern geboren ist (wohl wegen den Ostereiern, die ja für einen Neuanfang stehen)
  • Über Ostern fahren alle Leute ins Inland um ihre Verwandten auf dem Land zu besuchen. 70% der Häuser in unserem Quartier sind verriegelt
  • An Karfreitag darf kein rotes Fleisch gegessen werden, bloss Bolo de Puba (Manjok Kuchen), Mais und Fisch
  • An Karfreitag und Karsamstag gibt es im ganzen Land Passionsaufführungen und der Jesusfilm läuft in verschiedenen Varianten im Fernsehen
  • An Karfreitag ist endlich mal Ruhe! Man hört keine laute Musik (was sonst 364 Tage im Jahr während 24h fast der Fall ist) und die Leute verhalten sich ganz brav
  • Um 00:00 des Karsamstags verkünden laute Knaller, dass man von nun alles wieder machen darf und die Musik geht an und die Bier und Cachaça Flaschen werden geöffnet
  • Lausbuben stehlen Hühner aus den Gärten der Nachbarschaft, um sie auf dem Grill zu braten
  • Am Karsamstag gibt es im Inland eine grosse Vaquejada (ein Art Rodeo)

Sonntag, 1. April 2012

REIFLER's Brief vom 27. März 2012

DOWNLOAD HIER: REIFLER's Brief vom 27. März 2012

Dienstag, 20. März 2012

1. Nationaler Kongress zur Evangelisation, des Sertão

Gestern hat der Nationale Kongress zur Evangelisation des Sertão mit 765 Teilnehmern in Juazeiro do Norte begonnen. Juazeiro ist das religiöse Zentrum des gesamten Nordostens wo Padre Cícero verehrt wird, der wichtigste Heilige des Nordostens.
Hier sollen am Kongress 1000 Leiter evangelischer Gemeinden aus ganz Brasilien motiviert und ausgerüstet werden an der grossen Herausforderung teil zu nehmen 10'000 neue Gemeinden zu gründen. Wir sind mit dem Stand des ProSertão vertreten. Ausserdem werden wir als ProSertão allen Teilnehmern ein Buch schenken über statistische Zahlen, Kultur, Not und Herausforderung des Sertão.
Am Samstag reisen wir wieder zurück.


Dienstag, 21. Februar 2012

Perfektes Timing und profetische Weitsicht


Am 3. Februar fand sich dieser Eintrag im Gebetsbrief der Schweizer Allianz Mission. An diesem Tag beteten wohl hunderte von Menschen für uns. Genau an diesem Tag ist Milena zur Welt gekommen.
Wir danken Gott, dass er so gut für uns sorgt und am richtigen Tag die Leute für uns beten lässt. Die Geburt ging zwar sehr schnell aber nicht ohne Schreckmomente. Milena wäre nämlich fast "stecken geblieben", was eine Notfalloperation zur Folge gehabt hätte. Doch dank der schnellen Reaktion des Arztes und der Hilfe eines Krankenbruders und des werdenden Vaters ging alles gut. 
Wir danken auch allen Betern, die an diesem Tag für die Geburt beteten, ohne zu wissen, dass sie gleichzeitig stattfand.
Hier möchte ich auch Albert Zimmerli vom SAM-Büro danken, der mit profetischer Weitsicht alle zwei Monate den Gebetsbrief zusammen stellt.
Wir Missionare müssen normalerweise 2-3 Monate vor dem erscheinen des Gebetsbriefes bereits Gebetsanliegen senden. Es ist nicht immer einfach zu wissen, wofür man in zwei Monaten Gebet braucht.
Doch dieses Ereignis könnte den ein oder anderen animieren den Gebetsbrief zu bestellen und auch zu gebrauchen. Einfach oben auf Support drücken und das richtige Feld ankreuzen.

Freitag, 3. Februar 2012

Milena Reifler, *03.02.2012


Milena ist am 3. Februar um 12:25 in Floriano zur Welt gekommen. Sie ist 3770g schwer und 51cm lang. Die Geburt verlief sehr gut und Milena und Rahel sind wohl auf (den Umständen entsprechend).
Wir sind nun wirklich froh, dass das Kind da ist und die mühsame Schwangerschaft zu Ende gegangen ist.
Valter und Rozi, unsere Mitarbeiter, schauen heute zu Eliana und Livia. Sie haben uns heute abend schon besucht und wollten sich fast nicht mehr von ihrem kleinen Schwesterchen trennen.

Freitag, 27. Januar 2012

Bericht Projekt Água Viva


Nun ist es bereits mehr als eine Woche her seit dem Ende des Projekts. In der letzten Tagen waren wir mit der Nacharbeit beschäftigt. Wir können nun auch ein differenziertes Bild vom Resultat abgeben.
Laut Film (sorry, nur auf portugiesisch) gab es 123 Bekehrungen als folge der Hausbesuche im ganzen Quartier. Leider sehen wir heute noch nicht viel von diesem missionarischen "Erfolg". Wir haben alle diese Leute nochmals besucht, eine Arbeit für die Walter und ich alleine mehr als einen Monat gebraucht hätten. Doch 5 Frauen des Projekts blieben aber noch eine Woche länger und haben den Hauptteil der Nacharbeit übernommen.
Unsere Helferinnen luden zu Bibelkursen an zwei verschiedenen Orten ein und zu einem Gottesdienst in der Turnhalle des Quartiers ein. Zu den Bibelkursen kamen leider nur gerade 7 Personen. Allerdings war es ein regnerischer Tag, was die Leute daran hindert ihre Häuser zu verlassen. Heute findet der zweite Kurs statt. Zum Gottesdienst erschienen ca. 10 Erwachsene, allerdings solche die vorher noch nie an unseren Anlässen teilgenommen hatten.
Es stellte sich heraus, dass viele Bekehrungen verfrüht waren. Einige junge Projektteilnehmer hatten wohl noch nicht die Reife sich in die Leute hinein zu denken und zu spüren ob sie wirklich bereit waren Jesus als ihren Herrn in ihr Leben auf zu nehmen. Das ist sehr Schade, denn dies kann auch kontraproduktiv für die Verkündigung sein.

Was wirklich bleibt!
Trotzdem ist das Projekt ein echter Erfolg, denn durch die sozialen Dienste wurden wir im ganzen Quartier bekannt und die Leute stehen nun offener zu uns. Alle grüssen uns nun mit "Hallo Pastor", auch Leute, die wir nie zuvor gesehen hatten. Auch gegenüber den Behörden hat das Projekt Türen geöffnet.
Den "Schönheitssalon" (Nägelmalen, Haare färben usw.)  haben die Mädchen weitergeführt. Es kamen 14 junge Mädchen mit ihren Kindern. Eine junge Mutter hat von sich aus angeboten unentgeltlich mitzuhelfen. Wir hoffen, dass daraus eine Jugendarbeit entstehen kann.

Unerklärliche Zufälle
Wir merken aber, wie wir in diesen Tagen besonders auf die Probe gestellt werden. Simon ist ja bereits in der Vorbereitungszeit zum Projekt an Dengue erkrankt. Nun, wo wir weiter den am Jesus interessierten Menschen nachgehen und mit dem Momentum des Projekts die Arbeit vorantreiben sollten, sind unsere Mitarbeiter Valter und Roziane gleichzeitig ebenfalls an Dengue erkrankt. Zudem könnte Rahel jederzeit unser drittes Kind zur Welt bringen. Wir sind praktisch Bewegungslos!
Doch hinter diesen Angriffen sehen wir, dass es eine feindliche Macht gibt, die unsere Arbeit mit aller Kraft behindern will. Ausserdem lernen wir dadurch, das der "Erfolg" nicht von unserer Kraft abhängt. Das Jahreslos hat uns als Mitarbeiterteam sehr gestärkt:

9 Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 10 Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.
2. Korinther 12,9-10

Montag, 9. Januar 2012

Nun geht's endlich los - Projekt Água Viva

Água Viva heisst "lebendiges Wasser". Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 35 Personen aus den verschiedensten Orten, die bei uns ein evangelistisches und soziales Projekt durchführen. Die Teilnehmer kommen aus Belo Horizonte, São Paulo, Campinas, aus diversen Städten des Piauí und sogar 5 Jugendliche aus Kanada. Seit Freitagmittag sind sie bei uns und wurden bis gestern Sonntagabend für das Projekt vorbereitet. Heute ging's los oder besser gesagt, wurden sie losgelassen auf unser Quartier. Den Morgen über besuchen sie die Leute und erzählen ihnen über die Bibel. Am Nachmittag sind sie alle in Arbeitsgruppena aufgeteilt. Die einen schneiden Haare und machen Fusspflege, die anderen veranstalten ein Kinderprogramm und wieder andere leisten medizinische Hilfe. Abends gibt es dann einen öffentlichen Gottesdienst irgendwo auf einem Platz oder auf der Strasse. A Mittwoch werden wir in eine Inlanddorf fahren, um auch dort den Menschen die Liebe Gottes spürbar zu zeigen.