„Bei welcher Farbe der Ampel darf man die Strasse überqueren?“ frage ich die Kinder in der Kinderstunde. „Bei rot!“ rufen alle zusammen. Ich stutze, diese Antwort habe ich nicht erwartet. Wir (Schweizer) gehen doch bei grün über die Strasse und bei rot muss man warten. Nach kurzem Nachdenken wird aber auf einmal alles klar. Hier haben die Fussgänger keine Ampeln sondern nur die Fahrzeuge, wenn die Autos also rot haben, können die Fussgänger die Strasse überqueren.Aber nun von vorne: Am Samstag hatte ich mit den Kindern in der Kinderstunde das Thema Vorbilder. Jedes Kind erhielt ein rotes und ein grünes Papierstück. Ich beschrieb dann viele verschiedene Alltagssituationen und die Kinder mussten beurteilen, ob sie diese Dinge nachmachen sollten oder nicht. Wenn nicht hielten sie das rote Papier hoch, wenn ja, mussten sie das grüne Papier hochhalten.
Obwohl wir nun schon mehr als 5 Jahre hier arbeiten und uns viel mit der brasilianischen Kultur auseinander gesetzt und gelernt haben, gibt es doch immer wieder Situationen, wie oben beschrieben. Diese lösen dann ein Gemisch von Gefühle bei uns aus:
• Unsicherheit, weil wir gemeint haben wir wissen nun wie es hier geht und dann merken, dass wir doch immer wieder überrascht werden.
• Frustration, weil man nach all diesen Jahren immer noch nicht ganz in der Kultur zuhause ist.
• Zufriedenheit, weil man einmal mehr etwas Neues gelernt hat und einen ganz wenig grösseren Durchblick zu haben scheint.
• Ein Lächeln, weil man auch immer etwas über sich selbst lachen muss, wenn man wieder ins Fettnäpfchen getreten ist.
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