"Die Demokratie in Brasilien währt eben erst seit 18 Jahren" war die Begründung eines befreundeten Anwalts, auf meine Frage, warum denn die Korruption immer noch so verbreitet sei. Man dürfe Brasiliens Politik deshalb nicht mit den jahrhundertalten Demokratien Europas vergleichen.Die Wahrheit über die Wahlen ist, dass viele Politische Positionen mit gekauft Stimmen gewonnen werden. Dabei müssen die Kandidaten oft nicht einmal die Stimmberechtigten zum Verkauf ihrer Stimmen überzeugen. Viele arme Leute rennen den Kandidaten nach und bieten ihre Stimme gar dem meist bietenden an. Eine Lehmladung da, ein paar Zementsäcke dort eine Busreise oder sonst ein Gefallen hier. Nicht selten, inbesondere in kleinen Innlanddörfer, wo jede Stimme zählt, wird auch in Bares bezahlt.
In Miguel Alves am JUVEP Einsatz haben Teilnehmer während den Hausbesuchen Kandidaten inflagranti beim Geldverteilen erwischt.
Bezahlungen werden insbesondere an Familienoberhäupter gemacht. Ihr Grossvater erhalte bei jeder Wahl mehrere Tausend Reais für seine und für die Stimmen seiner 12 Kinder mit an die hundert Kindeskinder, sagt Teresa unsere Haushaltshilfe.
Am Jugendkongress in Piracuruca vor 3 Wochen sagte mir der Jugendleiter, sein Grossvater habe seine Stimmen an den "Falschen" verkauft. Er werde sich nicht an die Familiendirektiven halten, denn der "Falsche" sei ein Gemeindepräsident, der sich zum vierten mal in Folgen wählen lasse, was eigentlich nicht möglich sein dürfte (gesetzlich nur eine Wiederwahl). Auf den Werbeplakaten steht einfach der Name seiner Frau. Doch alle wissen, dass er gemeint ist. Er habe gar ein eigenes Büro auf der Gemeindeverwaltung.
Stimmenfangen ist eine lukratives Geschäft. Ein einfacher Gemeinderatskandidat gibt ca. SFr 20'000.- damit er gewählt wird. Doch selbst ein "Verlierer" kann mit seinen gewonnen/gekauften Stimmen ein grosses Geschäft machen. In zwei Jahren finden wieder Waheln statt. Dann kommt der Gouverneurskandidat persönlich, um dem "Verlierer" seine Stimmen abzukaufen. Da es dann um die prestigeträchtige Präsidentschafts-, Parlaments- und Gouverneurswahlen geht, wird er seine "Verluste" bei weitem wettmachen.
Natürlich ist der Stimmenkauf strengstens verboten und dank Überwachung und Sensibilisierungs der Bevölkerung schwieriger geworden. Doch wenn es um so wichtige Dinge geht wie Macht und Geld, dann findet der Brasilianer immer ein "Jeitinho" (ein Weglein, eine kleine Lösung, ein Kniff).
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