Brasilien wurde zu dem Land gewählt, das am meisten für den Klimaschutz tut. Das hat es vor allem durch den verschärften Kampf gegen die Abholzung verdient. Die Abholzungsrate wurde in diesem Jahr halbiert.Siehe NZZ-Bericht:
http://www.nzz.ch/nachrichten/international/brasilien_klimaschutz-index_2010_1.4191143.html
Doch wer das Land kennt, weiss, dass der Schein trügt. Die Zahlen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass immer noch sehr viel Wald abgeholzt wird und praktisch keine Aufforstung betrieben wird. Es werden nun einfach andere Waldzonen geholzt, die nicht direkt zum Amazonasgebiet gezählt werden, aber genauso wertvoll sind. Die Holzindustrie kennt bis heute nur die jahrhundertalte Ausbeutung der Natur ohne Nachhaltigkeit. Ein Legat der ehemaligen Kolinialherren, den Portugiesen.
Die Bauern in den Trockengebieten (Sertão) im Nordosten haben immer noch keine Alternative zur Verbrennung beim Anbau ihrer Felder, was zu 70% von Brasiliens verhältnismässig geringem CO2-Ausstosses führt.
Zwar fahren heute die meisten neueren Autos auch mit dem CO2 neutralem Alkohol. Doch die neuen "Flex-"Mehrkraftstoffautos (Benzin oder Alkohol) verbrauchen auch mehr Sprit (12L/100km, 1.6L Motor). In vielen Regionen wo der Alkoholpreis sehr hoch ist und es sich daher nicht lohnt Alkohol zu tanken, wird deshalb mehr Benzin verbraucht als vorher.
Die riesigen Zuckerrohrplantagen sind auch nicht nur umweltfreundlich. Da der Bedarf nach Alkohol ständig steigt, trägt er sogar zu Abholzung bei.
Die ökonomischen Dieselautos (wie in Europa) bleiben verboten. Man will ja die Zuckerrohrindustrie vor der Konkurrenz beschützen. Ausserdem ist das Diesel stark subventioniert, was nur der ausschliesslich Lastwagen fahrenden Transportbranche zu Gute kommen soll. Der umweltfreundliche Eisenbahntransport fristet ein Mauerblümchen dasein.
Wegen all dieser Mängel hat Brasilien auch nicht den ersten Paltz erhalten. Die ersten drei Plätze blieben nämlich unbesetzt, da kein einziges Land wirklich genug für den Klimaschutz tue.
Immerhin besteht eine reale Chance, dass Brasilien bald eine grüne Präsidentin haben wird.
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