Samstag, 29. Januar 2011

Die Helden des Sertão

Ende Oktober habe ich eine Reise in den Süden des Piauí gemacht. Ich war von Pastor Luis eingeladen worden an der Einweihung der Gemeinde in Jurema zu predigen. Diese Gelegenheit wollte ich nutzen, um die anderen Pastoren des ProPiauí in der Region zu besuchen und sie in ihrer Arbeit zu ermutigen. Am Ende bin ich aber selbst äusserst ermutigt nach Hause gekehrt. Diese Pastoren, die in den letzten 8 Jahren alle direkt durch das ProPiauí gefördert oder ausgebildet worden sind, leben die Vision des ProPiauí mit grosser Opferbereitschaft und Hingabe voll aus. Für mich sind sie die „Helden des Sertão“. Überzeugen sie sich selbst:

Alleine auf weiter Flur, Jailson und Elis in Canto do Buriti

Jailson und Elis sind ein sehr junges Ehepaar. Mit der Heimkehr von Markus und Hanna Gysin haben sie die Leitung der „schwierigen“ Gemeinde in Canto do Buriti übernommen. Jailson arbeitet nebenbei als Informatiker und Elis studiert. Trotzdem fahren sie gemeinsam mit dem Motorrad jede Woche in das Inlanddorf „Bom Lugar“, um dort Jüngerschaftsschulungen mit den Menschen durch zu führen. Während der Woche gibt Elis Nachhilfestunden für schulschwache Kinder. Jailson betreut eine handvoll Teenager und Jugendliche, die sich kürzlich für ein Leben mit Jesus entschieden haben. Jailson und Elis fühlen sich in den Herausforderungen des Gemeindealltags oft alleine, da sie in ihrer Nähe niemanden haben mit dem sie ihre Erfahrungen austauschen können. Trotzdem halten sie mutig die Stellung.

Endlich ein „Radikaler“, Artur in Zabele

Vor zwei Jahren, während eines evangelistischen Projekts der JUVEP in Miguel Alves, hatte mir Artur in einem persönlichen Gespräch gesagt: „Pastor Simão, ich möchte ein „Radikaler“ werden.“ So werden die Missionare der JUVEP genannt, die in kleinen Gruppen für ein Jahr in ein Inlanddorf des Sertão geschickt werden, um dort eine Gemeinde zu gründen.
Damals sagte ich ihm, dass er schon mitten im Sertão wohne und mit seinen Gaben Zuhause gebraucht werde.
Heute wohnt der junge Artur im kleinen Dorf Zabele nicht weit von seiner Heimatstadt entfernt und betreut dort ganz alleine eine neu gegründete Gemeinde. Jetzt ist er wirklich ein „Radikaler“.
Die Gemeinde in São Raimundo Nonato von Pastor Fábio hat die Vision Gemeinden zu gründen angenommen und fast ganz mit eigenen Mitteln die geräumige Kirche in Zabele gebaut. Pastor Fabio betreut den jungen Artur sehr gut. Pastor Fábio war einst Prediger in der Neugründung von São Francisco. Als er vor ein paar Jahren den vakanten Pastorenposten in der grossen und finanzstarken Gemeinde von São Raimundo Nonato übernommen hatte, dachten wir schon, dass er das missionarische Anliegen aus den Augen verloren hatte. Wir haben uns mächtig geirrt!

Ein „Apostel“ für eine ganze Region, Luis und Familie in Caracol

Pastor Luis leitet die relativ grosse Gemeinde in Caracol. Die meisten Pastoren wären damit schon zufrieden. Doch Luis verantwortet noch einige weitere Aussenstationen in den Inlanddörfern. Am Sonntag hält er erst in seiner Gemeinde am Morgen die Sonntagschule (Bibelstunde), nachmittags fahren er und seine Frau ca. 45 min auf dem Motorrad in das Dorf
„Pendangas“ um eine Bibel- und Kinderstunde ab zu halten. Vor einigen Monaten hatte er dort bloss mit Bibelstudium angefangen. Inzwischen haben sich ca. 20 Menschen für ein Leben mit Jesus entschieden. Nun wollen die Einwohner selbst eine Kirche bauen. Kaum von der beschwerlichen Reise ins Inlanddorf zurückgekehrt beginnt Abends schon der Abendgottesdienst in Caracol.
Luis betreut ausserdem einige junge Gemeindeleiter in der Gegend. Er hat sich zu einer respektierten Leiterpersönlichkeit in der ganzen Region entwickelt. Dies nicht in erster Linie wegen seiner Leiterqualitäten, sondern wegen seines Vorbilds, seines Durchhaltewillens und seiner Opferbereitschaft.

Ich sagte zu Luis: „Pastor Luis, einige Pastoren erhalten ihren Lohn bereits auf der Erde (wegen der hohen Pastorenlöhne in einigen Stadtgemeinden), andere Pastoren hingegen erhalten ihren Lohn erst im Himmel. Ich glaube du gehörst zu Letzteren!“

Die Kirche im Busch, Jurema

Vor einigen Jahren hatte man eine Kirche etwas ausserhalb von Jurema mitten in den Busch gebaut, weil dort, wie die Behörden versprachen, bald ein neues Quartier entstehen sollte. Während ca. 5 Jahren stand die Kirche ungenutzt im Busch. Im vergangenen Jahr sind nun endlich die Häuser durch das staatliche Wohnungsprogramm gebaut worden. Auf Initiative von Pastor Luis wurde das Gebäude renoviert und fertiggestellt. Ich durfte in einer übervollen Kirche an der Einweihung predigen. Pastor Luis und Pastor Valdir von Anísio de Abreu werden gemeinsam die Verantwortung tragen, bis man einen fähigen Mitarbeiter gefunden hat, der die Gemeinde leiten kann.

Kürzlich erhielt ich einen Anruf von Pr. Luis: „Pastor Simão, wir könnten in einer Nachbarstadt schon wieder eine Gemeinde gründen. Wir haben bereits einen Raum. Bitte schickt uns einen Mitarbeiter!“

Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.
Lukas 10,2

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