Montag, 23. Oktober 2006

Wahlkampf in Brasilien

Im Moment herrscht gerade Wahlkampf in Brasilien. Wo man nur hinschaut, sieht man Werbeplakate, wo man nur hingeht spricht man über die Wahlen. Es ist als wäre die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Gestern bin ich einer mehrere Km langen vierspurigen Ausfahrtstrasse von Campinas entlang gelaufen, die links und rechts und in der Mitte gesäumt war von 100ten von Freiwilligen, die Lula-Fahnen schwangen.

Am 29. Oktober findet der zweite Wahlgang statt. Eigentlich hatten die Wahlumfragen einen Sieg des amtierende linksgerichtete Präsident Lula bereits im ersten Wahlgang prognostiziert. Doch wenige Tage vor der Wahl wurde ein Skandal der Arbeiterpartei, Lulas Basispartei, aufgedeckt. Mitglieder hatten versucht für mehrer Millionen US$ Insiderinformationen über einen Gegenkandidaten zum Gouverneursamt im Staat São Paulo zu erlangen. Der Skandal war in der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen worden, bis wenige Tage vor der Wahl ein Bild mit dem Pallett voller Geld in allen Kanälen und Zeitungen gezeigt wurde. Diese eine Bild kippte die Stimmung und beeinflusste die Wahl nachhaltig. Der Ausgang des zweiten Wahlgangs ist nun völlig offen.

Lulas Gegenkandidat, der sozialdemokratische Geraldo Alckmin, beharrt darauf, dass die Herkunft der Millionen aufgedeckt werden. Es wäre nicht der erste Skandal in Lulas Umfeld. Bereits im letzten Jahr erlitt sein Popularitätshoch einen Knicks, als Mitarbeiter und Minister im engsten Kreis des Präsidenten der Korruption überführt wurden. Sie bezahlten käufliche Politiker, um Abstimmungen im Parlament zu ihren Gunsten zu manipulieren. Nur der Präsident selbst, konnte nicht überführt werden.

Doch der Herausforderer Alckmin durfte aus diesem Skandal für die Wahlen keinen Profit schlagen, denn die systematischen Manipulationen hatten bereits während der Präsidentschaft des ebenfalls sozialdemokratischen Fernando Henrique Cardoso begonnen, des Vorgängers Lulas.

Nun bleibt dem brasilianischen Volk wieder nur die Wahl des besseren Übels.

Über politische Programme wird kaum diskutiert, denn beide versuchen einen sozialen neoliberalen Weg zu gehen. Im Vordergrund stehen die Glaubwürdigkeit und Popularität der Kandidaten.

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