Praktisch alle die ich kenne sind sehr glücklich mit dem Wahlausgang. Der Gemeindepräsident (Joel) von Floriano wurden wiedergewählt und sein ärgster Konkurrent (Gilberto) hat überraschend viele Stimmen gewonnen. Eine gute Basis, um bei den nächsten Wahlen zu gewinnen. Weil er aber seine Wahl-Buchhaltung nicht rechtzeitig einreichen konnte, wurden alle seine Stimmen (12'000) vom Wahlrichteramt als ungültig erklärt.
Die Wahlen rufen viele interessante Geschichten hervor, von denen ich drei in den nächsten Tagen erzählen möchte:
Theresa ist 23jährig und arbeitet 3 Mal wöchtentlich morgens bei uns als Haushaltshilfe. Sie wohnt zwar in Floriano und hat hier sogar als Wahlhelfrin für den wiedergewählten Gemeindepräsidenten gearbeitet, wählen tut sie aber in ihrer Heimatstadt Nazaré ca. 60km von Floriano. Dort hat ihr Grossvater neben der aller anderen Familienmitglieder auch ihre Stimme verkauft, diesmal an den richtigen Kanditen, den Gewinner!
Sie hatte uns vergewisserte, dass sie sich frei gefühlt habe den Kandidaten zu wählen, den sie wolle. Dennoch hielt sie sich an die Vorgaben des Familienoberhauptes.
Überglücklich erzählte sie uns, dass ihr Onkel auch noch als Gemeindrat gewählt wurde. Er habe ihr ab Januaar eine Stelle als Lehrerin versprochen.
Nun muss man wissen, dass Theresa die Mittelschule noch nicht beendet hat und keinerlei pädagogische Ausbildung besitzt. Eigentlich ist es auch gar nicht möglich eine solche Stelle zu erhalten, da ein öffentlicher Wettbewerb, ein sogenannter "Concurso" stattfinden müsste, wo nur die Besten mit Uniabschluss angenommen werden. Doch das Gesetz selbst welches den gerechten Aufnahmewettbewerb fördern sollte, lässt einen "alternativen" Weg offen: bereits im Amt stehende Lehrerinnen erhalten pro Amstjahr 20 Punkte bei der Aufnahmeprüfung gut geschrieben. Ihre Chancen unter den besten zu stehen erhöhen sich damit erheblich.
In Theresas Fall erhielte sie wohl temporär eine Stelle als Lehrerin. Der "Concurso" für die neu geschaffene Stelle würde so lange wie möglich hinausgeschoben werden, womit auch die Chancen Theresas als amtierende Lehrerinnen mit jedem Jahr stiegen.
Gestern aber sagte sie uns, dass sie auch ab Jaunar weiter bei uns arbeiten werde. Wahrscheinlich hat ihr ihr Onkel zu viel versprochen!
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