Es werden die staatlichen Abgeordneten (in der CH Grossrat), der Gouverneur, die Senatoren (Ständerat) und der Präsident gewählt.
Am Wahltag ist Propaganda verboten, aber gestern haben noch alle Kandidaten ihre Anhänger gesammelt, um in grossen Auto- und Mottoradkonvois hupend und lärmend durch die Strassen zu fahren. Natürlich hat auch jeder Kandidat einen grossen Lautsprecherlastwagen, auf dem der er mit hunderten von Fahnenschwingern steht und den Menschen zuwinkt. Aus den tausenden Watt starken Lautsprechern ertönt das für jeden Kandidten unverkennbare Wahl-Liedchen. Es vergeht auch kaum 10 Sekunden ohne dass man laut knallende Feuerwerke hört.
Bei den Präsidentenwahlen wird es spannend. Dilma Rousseff die designierte Nachfolgerin des populären linken Präsidenten Lula da Silva soll laut Umfragen genau 50% der Stimmen haben, womit sie schon im ersten Wahlgang gewählt wäre. Dahinter kommen Serra (31%) von den Sozialdemokraten und Marina Silva (17%) von der grünen Partei.
In den letzten Tagen hat vor allem Marina an Unterstützung zugelegt. Sie ist bekennende Christin und geniesst die Unterstützung der vielen Evangelikalen in Brasilien.
Dies vor allem auch deshalb weil die Arbeiterpartei von Dilma einige umstrittene Gesetzesentwürfe in ihr Parteiprogramm aufgenommen hat, wie diverse weitergereichte Emails und vielgesehen Youtube-Videos berichteten. Drunter sind folgende Vorlagen:
1. Einführung der gleichgeschlechtliche Ehen und Verbot jeglicher Diskriminierung solcher (dh. ein Pastor dürfte eine gleichgeschlechtliche Vermählung nicht verweigern)
2. Aufhebung des Abtreibungsverbots
3. Ein neues Gesetz zur "Religionsfreiheit": Verbot von öffentlichen Gottesdiensten; Gottesdienste müssen mit verschlossenen Türen abgehalten werden; Verbot von religiösen Sendungen im Fernsehen; Steuern auf Spenden in den Kirchen; Verbot über Zehnten zu sprechen.
Im Fernsehen hat die linke Kandidatin den dritten Punkt schon halbwegs zurückgenommen, weil sie den Druck der immerhin 20% Evangelikale im Land spürte. Der Erfolg von Marina in den letzten Wochen die von 10 auf 17% gesprungen ist, ist direkt auf diese Vorwürfe zurück zu führen.
UPDATE nach der Wahl
Dilma hat den ersten Wahlgang zwar gewonnen. Doch sie war weit davon entfernt direkt gewählt zu werden. Mit 19% war Marina Silva die grosse Überraschung. Sie ist zwar als drittplatzierte ausgeschieden, wird aber mit ihren Stimmen die Wahl massgeblich entscheiden.
Die meisten Wahlanalysten in Brasilien sind sich einig, dass es die Stimmen der Evangelikalen Wähler waren, die eine Direktwahl von Dilma verhindert hatten und zu dem überraschend guten Ergebnis von Marina geführt haben.
Nun kämpfen die beiden übrig gebliebenen Kandidaten Serra und Dilma um die Stimmen der Evangelikalen, die diese Wahlen entscheiden werden.
Der zweite Wahlgang findet nun am 31. Oktober statt.
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