Fast täglich hören wir von irgend einer Richtung kommend einen lauten Knall: "Päng"!!!Darauf folgt dann ein kurzer Stromunterbruch oder, wenn es ganz dumm läuft ein längerer Stromausfall. Wir schauen uns gegenseitig erleichtert an und denken: "Einer weniger!!!"
Nein, Gott sei dank leben wir nicht in einer gefährlichen Favela in dem sich die Drogebanden gegenseitig abknallen. Unser Quartier ist sehr friedlich und für brasilianische Verhältnisse auch sehr ruhig. Manchmal vergessen wir gar die Türen zu schliessen, ohne dass wir Angst haben müssen. Vielleicht liegt es daran, dass ein Häuserblock weiter eine Polizeistation steht.
Wenn es laut "Päng" knallt, dann hat wieder einmal einer seine Flügel zuweit ausgestreckt: Ein "Urubú" (port. für Aasgeier).
Von diesen Aasgeiern wimmelt es hier nur so, wegen des Abfalls der auf herrenlosen Grundstücken "gelagert" wird. Auch die Abfallsäcke (Container gibt es keine) warten den ganzen Tag am Strassenrand, um von der Müllabfuhr abgeholt zu werden, von der man nie so genau weiss, wann sie wirklich vorbeifährt.
Wenn die Fleischresten im Abfallsack den ganzen Tag in der Sonne bei über 40° schmoren, dann wird das das für die Urubús ein unwiederstehliches Freudenmahl. Die dünnen Plastiksäcke vom Supermarkt sind schnell aufgepickt, worauf sich dann eine Horde schwarzer Vögel stürzt. Ausser dem Menschen haben diese Vögel keine natürlichen Feinden (wegen des Abfalls den sie produzieren eher ihre Freunde), weshalb deren plagenartigen Fortbestand gesichert ist.
Nach dem Fest fliegt jeder auf seinen eigenen hart erkämpften Strommasten zurück. So kommt es, dass immer wieder einer nach dem Festmahl genüsslich seine Flügel streckt und beide Drähte berührend einen Kurzen schliesst: "Päng!!!" Wir schauen uns an und sagen erleichtert: "Einer weniger!"
Da solch ein Ereignis für die betroffenen Urubús bisher immer tödlich endete, kann es keine Evolution geben.
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