Sonntag, 17. Dezember 2006

Wenn Kulturen aufeinander treffen...

Letzte Woche waren wir zu einer kleinen Abschiedsfeier einer englischen Missonarsfamilien eingeladen, die soeben ihre Sprachschulzeit beendet haben. Ausserdem kamen unser Miteidgenosse Christoph Schwarz, ein amerikanisches Missionarsehepaar und eine gläubige Portugiesischlehrerin.
Der englische Missionar und seine Frau studierten nun beinahe ein Jahr an der Sprachschule und haben immer noch grosse Mühe sich zu verständigen und an die hiesige Kultur zu adaptieren. Wurden sie von ihrer Mission ungenügend auf einen transkulturellen Einsatz vorbereitet? Trotzdem haben sie ein unglaubliches Feuer das Evangelium anderen Menschen weiter zu erzählen, was uns eher bedachteren Schweizern manchmal etwas beschähmt. Viele Defizite in kultureller Hinsicht lassen sich durch grosse Liebe aufholen!
Seine Abschiedsandacht hielt der Engländer in makellosem "British English", obwohl er versuchte langsam zu sprechen, damit wir Schweizer und die Brasilianer auch etwas mitbekämen. Ich hatte eine interaktive Bibelstunde mit reger Beteiligung aller Anwesenden erwartet, musste aber bald feststellen, dass es sich um einen reinen Monolog handelte.
Nach seiner Rede, bat er uns mit ihm das Abendmahl zu feiern. Er machte die Einleitung nach 1. Kor. 11, wie in allen Ländern der Welt. Dann reichte er das Brot weiter, ein kleines typisch brasilianisches "französisches" Brötchen mit den Nährwert eines Tic Tac. Danach gab er den Kelch weiter und sprach dabei vom "Wein". Als der eher konservativen amerikanischen Missionar einen grossen Schluck vom "Wein" nahm, spuckte er es fast wieder hinaus uns schrie entsetzt in die andächtige Stimmung hinein: "Das ist ja wirklich Wein!". Seine Frau musste nun auch plötzlich vom Alkohol husten und verzog das Gesicht. Möglicherweise hatten sich beide in ihrem Leben bis anhin von jeglichem "Gegorenem" enthalten.
Wir Schweizer an der Reihe, liessen uns natürlich nichts anmerken und genossen den süssen Wein. Die brasilianische Lehrerin als letzte, die sicher auch noch nie Wein im Abendmahl hatte, liess ihre Lippen nur ganz leicht befeuchten und gab den Kelch weiter.
Erklärung: In vielen Gemeinden in Brasilien gilt der Genuss von Alkohol als Sünde. Eine Lehre, die sie von amerikanischen Missionaren übernommen hatten.
Als Missionare in Brasilien müssen wir nicht nur die hiesige Kultur kennen lernen und uns adaptieren. Viel schwieriger sind die Herausforderungen die uns die Zusammenarbeit mit anderen Missionaren aus allen Teilen der Welt stellt.
Betet, dass solche kulturellen Barrieren für das Evangelium keine Hindernisse sind.

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